Editorial

Sommerloch?

Die Zeit, in der Parlamente und Schulen, und damit auch die Hochschulen, in die Ferien gehen, definieren die Medien allgemein als Sommerloch. Entscheidungsträger in Wirtschaft und Gewerbe befinden sich in Urlaub und können daher keine Bei- oder Aufträge, z.B. auch für Anzeigen, vergeben. Amtsinhaber und Funktionsträger in öffentlichen Verwaltungen und Dienstleistungsbetrieben, die etwas zu sagen oder zu schreiben hätten, fallen in dieser Zeit als Beiträger für die Medien wegen ihrer "wohlverdienten Ferien" ebenfalls aus.

Das betrifft natürlich in erster Linie die Tagespresse, die von Tag zu Tag gleichsam von der Hand in den Mund lebt und ihren Lesern jeden Tag Neues berichten muss, und damit dieses sog. Sommerloch besonders zu spüren bekommt. Das betrifft weniger das Medium Fernsehen, das seine alten Filme zum wiederholten Male präsentieren kann aber das eigentlich das ganze Jahr über auch tut, als wenn es ein Sommerloch das ganze Jahr gäbe!

Weniger betrifft dieses Sommerloch die periodisch erscheinende Presse, vor allem nicht so sehr die Fachpresse. Sie kann, wenn andere unter dem Sommerloch leiden, das nachbearbeiten, was vor dem Sommer z.B. auf Kongressen sich ereignete, und ebenso auf das hinweisen, was nach dem Sommer bei den bevorstehenden Herbsttagungen kommen wird.

So berichten wir mit zwei Beiträgen von der Tagung der Vereinigung Österreichischer Bibliothekare und Bibliothekarinnen, die im April zusammen mit der Österreichischen Buchmesse in Graz stattfand: Isolde Müller setzt sich mit dem Lizenz-Problem elektronischer Medien auseinander; Helmut Hartmann und Werner Schlader berichten über ihre Erfahrungen mit Elektronischen Volltext-Zeitschriften. Zurück blickt auch Rolf Manfred Hasse, der über die Pressearbeit zum Freiburger Bibliothekartag berichtet. Fortgesetzt wird der in drei Teilen konzipierte Beitrag von Diann Rusch-Feja über Digital Libraries . Noch weiter in die Zukunft schauen wir auf den bevorstehenden 200. Geburtstag der Library of Congress mit einem Bericht von Ruth Wüst über das dort gerade eingeführte integrierte Bibliothekssystem. Aus jüngster Zeit vor dem Sommer stammt die Berichterstattung über die LIBER-Annual General Conference, die im Juli in Prag stattfand, und über die, wie über frühere auch, Sigrid Reinitzer und Franz Kroller kompetent berichten. Sehr weit in die Zukunft blicken wir wohl mit dem Europarat-Entwurf für eine Bibliotheksgesetzgebung. Dagegen näher an der Zukunft befindet sich die Universitätsbibliothek Karlsruhe, die den Fernleihverbund Bayern/Baden-Württemberg/Sachsen vorstellt. Desweiteren freuen wir uns, diesmal wieder einen Beitrag aus dem Archivwesen bringen zu können. Maria Ludden und Rafael Ball schildern die Archivsituation bei Grossforschungseinrichtungen und insbesondere beim Forschungszentrum Jülich.

Außer mit diesen redaktionellen Beiträgen wollen wir unsere Leser/Innen auch davon in Kenntnis setzen, dass gerade in diesem Sommerloch sich bei uns auch interne Veränderungen derart ergeben haben, dass die Zeitschrift ab diesem Heft in einem anderen Verlag erscheint. Wir glauben, dass unsere Zeitschrift fortan bei der Firma Dinges&Frick in Wiesbaden in einem größeren Umfeld noch besser aufgehoben ist und noch wirkungsvoller für unsere Leserinnen und Leser präsentiert werden kann. Für die Abonnenten und Inserenten ergeben sich ebenso wenig Änderungen wie für Sie als Leser und Leserin.

In einem so geschaffenen größeren Umfeld wollen wir auch das Spektrum unserer Zeitschrift erweitern. Zur Frankfurter Buchmesse ist daher beabsichtigt, der Zeitschrift eine Buchreihe anzugliedern, die wir B.I.T.online innovativ nennen wollen. In dieser Reihe sollen die Preisträger des B.I.T. online-Innovationspreises ihre preisgekrönten Arbeiten veröffentlichen können sowie auch andere Innovations-Themen publiziert werden, die den Rahmen eines Zeitschriftenaufsatzes sprengen würden.

So hoffen wir, dass Sie, liebe Leserinnen und Leser, wenn Sie aus dem Sommerloch pardon, dem Urlaub zurückkehren, weiterhin ein informatives B.I.T.online-Heft auf Ihrem Schreibtisch vorfinden, für das Ihnen interessante Lesestunden wünscht

Ihr Dr.Rolf Fuhlrott
Chefredakteur