Editorial

Das neue Jahrtausend

Nach der Zeitzählung des abendländischen Kulturkreises, die in Christi Geburt ihren Fixpunkt hat, beginnt das 21. Jahrhundert am 1.1.2001 und endet am 31.12.2100. Gebräuchlich, wenn auch wissenschaftlich nicht exakt, ist der Ansatz des neuen Jahrhunderts mit dem Wechsel der Jahrhundertzahl.

Dieser Zahlenwechsel war auch viele Jahre der Grund der schlimmsten Befürchtungen einer computerabhängigen Gesellschaft. Inzwischen ist dieser Wechsel vorüber und der ganz große Crash ausgeblieben, genauer gesagt, er konnte durch enorme Anstrengungen und Vorkehrungen verhindert werden, was sicher wohl ohne die auch panikmachenden Warnungen nicht gelungen wäre.

Das 20. Jahrhundert war von den großen Weltkriegen und zahlreichen regionalen Kriegen gekennzeichnet, aber auch von einem enormen Modernisierungsschub und ebenso von einem umfassenden Wandel der vornehmlich männlich bestimmten Gesellschaftsordnung. Die weltumspannende Kommunikation läßt nur erahnen, was dem beginnenden 21. Jahrhundert wann immer es auch exakt beginnt an Chancen und Gefährdungen bereit halten wird. Die erste Gefahr des Jahreswechsels ist, wie gesagt, im großen und ganzen gut überwunden und der als weiterhin gefährlich angesehene Tag des Schaltjahres scheint es auch, so daß der Blick frei werden kann für die Chancen des neuen Jahrhunderts.

So werden uns in der nächsten Zeit die sich schon im ausgehenden letzten Jahrhundert abzeichnenden Erscheinungen des Internets weiter beschäftigen. Völlig neue Formen der Telekommunikation werden entstehen, die die klassischen Formen der elektronischen Individualkommunikation, wie Telefon oder Telefax, mit denen der elektronischen Massenkommunikation, wie Rundfunk und Fernsehen, verbinden. Im künftigen Internet kann man telefonieren,, Radio hören oder eine Fernsehsendung anschauen, Bücher lesen, ja sogar als Produzent von Informationen ein breites Publikum erreichen, was früher nur dem Hörfunk, Fernsehen oder den Zeitungen vorbehalten war.

So werden sich weiter die Grenzen zwischen Informationsanbietern und Informationssuchenden, also der großen Öffentlichkeit, verwischen. Nicht von ungefähr steht daher auch der erste gemeinsame Kongress der Bibliothekare und Dokumentare in diesem Jahr in Leipzig unter dem Motto Information und Öffentlichkeit, und nicht weniger gehören dazu Autoren, Verleger, Buchhändler oder Informationsbroker, weshalb der Kongress bewußt mit der Eröffnung der Leipziger Buchmesse zusammengelegt wurde. Beide Ereignisse zeigen in ihren Programmen die Vielfalt der Thematik und Probleme, die in einem schlagkräftigen Motto nur ungenügend wiedergegeben werden können.

Genauso wenig möglich ist es, all diese Entwicklungen in einer Zeitschrift widerzuspiegeln. Umso intensiver werden wir das Geschehen beobachten, sondieren und schließlich berichten, was in Profil und Rahmen unserer Zeitschrift B.I.T.online paßt.

Besonders aufmerksam wollen wir die Entwicklungen beobachten auf dem Gebiet der Elektronischen-Bücher, E-Zeitungen, E-Tinte und des E-Papiers mit den Möglichkeiten des Herunterladens digitaler Texte auf das eigene Gerät unterschiedlicher Plattform sowie deren Vertriebsformen. Zu diesem Kreis gehört auch das DFG-Projekt Dissertationen Online, das von Susanne Dobratz in vier Teilberichten herausgegeben wird, in weiterem Sinn auch die Berichterstattung über Digital Libraries, die Diann Rusch-Feja in diesem Heft fortführt. In diesem Kontext fahren fort Christian Ritzi, der über Pädagogische Zeitschriften und Nachschlagewerke im Internet berichtet, Michael Mönnich und Susanne Tobias über Videos im Internet und Dirk Balthasar über Online-Buchhandlungen. Mit Fragen der Sicherheit im Internet setzt sich Uwe Dierolf von der UB Karlsruhe auseinander. Bei all diesen drängenden Problemen darf allerdings die Frage nach den Werterscheinungsformen der Informationsgesellschaft nicht außer Acht gelassen werden, der sich Heinrich Badura aus Wien annimmt. Neben Fachspezifischem und Tiefgründigem gibt es auch Informatives, wenn z.B. Alexander Schultheis über seinen blibliothekarischen Aufenthalt in New York erzählt oder Ruth Wüst über den anstehenden Geburtstag der Library of Congress reportiert.

Nicht zuletzt sei darauf hingewiesen, dass diese Zeitschrift mit dem von ihr gestifteten B.I.T.online-Innovationspreis auch den Nachwuchs fördern will, wobei der Innovations-Gedanke in Verbindung mit starkem Praxisbezug im Vordergrund stehen soll. Die ausgezeichneten Arbeiten sollen dann in der Regel in der soeben begonnenen Schriftenreihe B.I.T.online-Innovativ veröffentlicht werden.

So glauben wir, mit diesem Heft unseren Lesern/Innen wieder Fachliches, Informatives und Nachdenkliches, auf jeden Fall aber wohl Lesenswertes zu bieten, das sicherlich auf dem Kongress, bei dem viele von uns sich wiedersehen werden, weiter vertieft werden kann. In diesem Sinne verbleibe ich bis dahin

Ihr Dr. Rolf Fuhlrott
Chefredakteur