Plassmann, Engelbert; Seefeldt, Jürgen:
Das Bibliothekswesen der Bundesrepublik Deutschland


Ein Handbuch. 3., völlig neubearb. Aufl. des durch
Gisela von Busse und Horst Ernestus begründeten Werkes.
Wiesbaden: Harrassowitz 1999, 510 S.
ISBN 3-447-03706-7. DM 198.

Es bedeutete wirklich, "Eulen nach Athen tragen" zu wollen, wenn man den "Busse" in einer Bibliothekszeitschrift rezensieren wollte. Denn "der" Busse, 1968 von Gisela von Busse und Horst Ernestus begründet, ist allen Bibliothekaren/Innen bekannt als die erste bündige Darstellung des doch so heterogenen Bibliothekswesens der damaligen Bundesrepublik Deutschland.

15 Jahre später, unter der starken Mitwirkung von Engelbert Plassmann, erfolgte eine neue Ausgabe unter Einbeziehung der revolutionierenden Entwicklungen durch die Datenverarbeitung in den siebziger Jahren. Beide Ausgaben erfuhren bald englische Übersetzungen, so zur IFLA-Tagung 1968 in Frankfurt und 1983 in München, um die ausländischen Kollegen/Innen über Zustand und Entwicklung der Bibliotheken in diesem Lande zu informieren.

Weitere 16 Jahre später erfolgt nun von den beiden Autoren Engelbert Plassmann und Jürgen Seefeldt eine, ja umwälzende Überarbeitung und Neufassung bei gleichzeitiger Verdoppelung des Textes. Dies ist einerseits bedingt durch die Globalisierung der Problemstellungen, andererseits natürlich durch die inzwischen erfolgte Wiedervereinigung und die dadurch entstandene Verpflichtung, nun das Bibliothekswesen des ganzen Deutschland darstellen zu müssen. Dafür kann dem Verlag und vor allem den Autoren nicht genug gedankt werden, diese ungeheure Stofffülle in einem, wenn auch gewichtigen Handbuch realisiert zu haben.

Die inhaltliche Struktur folgt im Wesentlichen den beiden vorangegangenen, bewährten Auflagen, d.h.: die Stellung der Bibliotheken in Staat, Gesellschaft und Bildungswesen, Organisation des Bibliothekswesens, die verschiedenen Bibliothekstypen, die Arbeitsweisen der Bibliotheken sowie Beruf und Ausbildung sind die Hauptthemen. Hier könnte man nun beckmesserisch ansetzen und fragen, warum das eine mehr, das andere weniger berücksichtigt wurde. Generell jedenfalls sind die Autoren so verfahren, dass sie dort, wo es reichlich Literatur gibt, hier kürzer getreten sind, dort, wo solche fehlt, sie sich ein wenig ausführlicher verbreitet haben; auch haben sie versucht, dort wo es ihnen möglich erschien, den Blick in die Zukunft zu richten.

Dem Text von über 400 Seiten haben sie ein umfangreiches Literaturverzeichnis von fast 50 Seiten angefügt, vor allem mit der seit der letzten Ausgabe erschienenen Literatur. Ein ausführliches, 30seitiges Sachregister erschließt das Handbuch. Sehr informativ sind die beigefügten 9 Karten mit der Lage der Ausbildungsstätten, Bibliotheken, Verbundzentralen und Zentralkataloge. Weniger informativ sind die als Tafeln bezeichneten Abbildungen unterschiedlichster Bibliotheken, für die Christoph Seelbach als Fotograf verantwortlich zeichnet. Sie sind in Auswahl und Qualität katastrophal und vermögen daher kaum ein Bild des doch vorbildhaften deutschen Bibliotheksbaues zu geben. Zudem gibt es von den meisten abgebildeten Bibliotheken bessere Vorlagen und bessere Wiedergaben.

Aber das wird sicher keine Bibliothek von dem Erwerb dieses Handbuches abhalten, wenn auch der Preis eine ungerechtfertigt hohe Hürde darstellt. Es ist zu hoffen, dass auch diese Ausgabe zur nächsten IFLA-Tagung 2003 in Berlin in englischer Fassung den ausländischen Gästen präsentiert werden kann.


Anschrift des Rezensenten:
Dr. Rolf Fuhlrott
Berliner Straße 9a
D-76185 Karlsruhe
E-Mail: fuhlrott@ubka.uni-karlsruhe.de