20. September 2018

b.i.t.online   6 / 2015
Reportagen

Eine Branche auf der Suche nach sich selbst frei

„Wir müssen reden”, stand im letzten Jahr an dieser Stelle über der Reportage von der Frankfurter Buchmesse.
In diesem Jahr wusste man nicht mehr, wem man zuerst zuhören sollte.

Vera Münch
Disruption heißt die neue Vokabel. Sie fehlte auf der Frankfurter Buchmesse 2015 bei keiner Podiumsdiskussion, wurde in kaum einem Vortrag und erst recht auf keiner der immer mehr Konferenzen ausgelassen. Von Disruption spricht man laut Netzlexikon, wenn eine neue Technologie eine ganze Branche ins Wanken bringt oder deren Geschäftsmodell in Frage stellt. Manche disruptiven Technologien hätten sogar das Potenzial ganze Industrien wegzublasen, schreibt der Verfasser des Eintrags, Maximilian Zierer(@maxzierer). Zierer ist freier Journalist, arbeitet unter anderem als Datenjournalist für den Geschäftszweig Daten und Interaktivprojekte des Bayerischen Rundfunks, BR Data (@br_data). Der Technologiewandel hat die Verlags- und Medienwelt endgültig aus ihren vertrauten Bahnen geworfen.
Rund 7000 Aussteller aus über 100 Ländern zeigten in Frankfurt „Bücher und andere Produkte”, wie HRonline auszudrücken versuchte, was die Digitalisierung, das Internet und die Mobiltechnologie aus dem Bücherfestival gemacht haben. Eines dieser anderen Produkte war Google Play in Halle 6.2. Doch deutlich interessanter als der Google-Laden für Digitalcontent ist mittlerweile, wie Verlage wie Gräfe + Unzer ihre Inhalte in neuer Bündelung auf kreativen Wegen vermarkten, oder wie eBooks mit Sobooks flugtauglich werden. Digital und mobil war in den nur noch vier belegten Hallen um die Agora allgegenwärtig. Die Frankfurter Buchmesse ist an einem Wendepunkt angekommen.

b.i.t.online Sofa 2015 auf der Frankfurter Buchmesse frei

Helga Bergmann und Vera Münch
Seit sieben Jahren ist es Tradition: Themen, die Bibliotheken, Verlage, Agenturen und Buchhandel bewegen, werden auf den von b.i.t.online, Library Essentials und fachbuchjournal ausgerichteten Podien auf der Frankfurter Buchmesse von Branchen-Insidern diskutiert. In diesem Jahr stand am Messemittwoch das Transformationspapier der Max Planck Digital Library zur Beschleunigung der Umsetzung von Open Access im Zentrum der Diskussion „Literaturversorgung anders gedacht: Das ganz andere Open Access Modell”. Ein Videomitschnitt steht auf der b.i.t.online-Homepage.
   In der zweiten Veranstaltung mit dem Titel „MyLibrARy – Augmented Reality in Büchern? Macht das Sinn?” ging es am Donnerstag um die Frage, ob und wie innovative Szenarien wie Augmented Reality in Bibliotheken, Verlagen und
Informationseinrichtungen eingesetzt werden können. Das Gespräch wurde in Kooperation mit dem Projektteam von „MyLibrARy” vom Fachbereich Informationswissenschaften der FH Potsdam durchgeführt.
   Die dritte Veranstaltung „MOOCs – Ein neues Geschäftsfeld für Bibliotheken und Verlage?” am Freitag war neuen Formen der Wissensvermittlung in Bildung und Ausbildung gewidmet, wie sie die Massive Open Online Courses (MOOCs) darstellen. Diese Diskussion, das sei hier vorweggenommen, ergab ein klares Ja: Bibliotheken und Verlage sind mit ihrem Knowhow bestens gerüstet für diese neue Aufgabe. Die b.i.t.online-Podiumsdiskussionen fanden wie immer von 12.00 bis 13.00 Uhr auf der Scientific & Professional Information Stage in Halle 4.2 statt. Sie sind auf den folgenden Seiten für Sie zusammengefasst.

The Next Generation Information Management: Content und Roboter kommen zusammen frei

DGI diskutiert Zukunftsfragen mit Verlagen und Startups

Elgin Helen Jakisch
Die Nutzung von publizierter Information wird mobil. Neue Technologien versprechen Lösungen für den Information Manager. Zusammen mit Verlagen und Informationsdienstleistern wollte die DGI herausfinden, ob und wie die Vernetzung Zugriffe
auf Texte und Publikationen vereinfacht. Diskutiert wurde, ob es in Zukunft noch klassische Publikationsmodelle gibt oder bei der Informationssuche der InfoProfi bald durch Roboter ersetzt wird.

Wie Bibliotheken durch Teilen gewinnen frei

Bericht über den BibliotheksLeiterTag 2015, zu dem OCLC am 13. Oktober 2015 in die Deutsche Nationalbibliothek in Frankfurt eingeladen hatte

Helga Bergmann
Der diesjährige BibliotheksLeiterTag stand unter dem Motto „Willkommen! Der Weg zum Wissen”. Er griff damit eines der drängendsten Probleme der Gegenwart auf – die massenhafte Flucht vor Krieg, Hunger und Elend. Die Beiträge beleuchteten, welche
Rolle Bibliotheken bei der Integration von Migranten spielen können. Der Blick auf Erfahrungen, die anderswo bereits gemacht wurden, gibt wertvolle Hilfestellungen – nicht nur für diesen Bereich. Die Moderation hatte Barbara Lison, Direktorin der Stadtbibliothek Bremen.

„Dynamic Libraries: Access, Development and Transformation” frei

Eindrücke vom diesjährigen IFLA-Weltkongress in Kapstadt/Südafrika

Nils Beese, Steffi Grimm und Marius Sarmann
Im Folgenden möchten wir einen subjektiven Einblick unserer Teilnahme am diesjährigen IFLA-Weltkongress in Kapstadt geben. Den thematischen Schwerpunkt setzen wir zunächst auf die praxisnahen Aktivitäten der IFLA-Sektion „Libraries for Children and Young Adults”. Im Anschluss zeichnen wir nach, wie im
Rahmen der Konferenz aus internationaler Perspektive intensiv über die Rolle von Bibliotheken im Bereich Management von Forschungsdaten diskutiert wurde. Ergänzend werfen wir einen Blick auf persönliche Begegnungen und kulturelle Bereicherungen, die ein Besuch des internationalen Bibliothekskongresses bietet.

Der Weg zur optimal strukturierten Informationsversorgung an Universitäten frei

Christoph Janello
Anlässlich des dreißigjährigen Bestehens ihrer ersten Fachbibliothek veranstalte die Universitätsbibliothek der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) in Zusammenarbeit mit dem VDB-Landesverband Bayern am 6. Oktober 2015 eine Tagung unter dem Titel „Das Hochschulbibliothekssystem als Grundlage zeitgemäßer Informationsversorgung”. Im Zentrum der Tagung standen die strategische Weiterentwicklung kleiner universitärer
Bibliothekseinheiten hin zu leistungsfähigen Fachbibliothekssystemen und deren Wechselwirkung mit den zumeist dafür erforderlichen Baumaßnahmen. Die Tagung näherte sich dem Thema durch Berichte über entsprechende Konsolidierungsprozesse aus verschiedenen deutschen Universitäten, ergänzt durch übergreifende strategische Fragestellungen und architektonische Einblicke.