19. Oktober 2018

b.i.t.online   1 / 2016
Fachbeiträge

Innovationspotenziale cloud-basierter Bibliothekssysteme frei

Andreas Degkwitz
Wahrscheinlich gehören bibliographische Daten, die in großer Verschiedenheit und Vielfalt seit hunderten von Jahren in Form von Bibliographien, Katalogen oder Zitaten produziert werden, zu den ältesten Zeugnissen dessen, was wir heute als „Forschungsdaten“ neu zu entdecken glauben. Auch diese Datenbestände werden im Kontext von Forschungsprozessen erzeugt und erweisen sich damit als wesentlicher Bestandteil für die Nachvollziehbarkeit, Nachnutzung und Referenzierung von Forschungsergebnissen. Bibliotheken, die die bibliographischen Daten ihrer Bestände und Sammlungen seit jeher erfassen, zusammenführen und pflegen, haben damit – ähnlich den Verfasserinnen und Verfassern von Bibliographien – die Verantwortung für die Auffindbarkeit von publizierten
Forschungsergebnissen übernommen und unterstützen auf diese Weise Forschung, Lehre und Studium. Der große Umfang der in Bibliographien, Band- und Kartenkatalogen dokumentierten Nachweise hat oftmals große Katalogräume gefüllt. Seit den 1990er Jahren halten Bibliotheken ihre bibliographischen Metadaten in lokalen Bibliothekssystemen und Verbunddatenbanken vor. Heute sehen sich Bibliotheken in der Situation, mit den Bibliothekssystemen auch ihre Daten in die „Cloud“ zu verlagern. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob die Potenziale der cloudbasierten Verarbeitung bibliographischer Metadaten und die dadurch realisierbar erscheinenden Qualitätsverbesserungen von Rechercheroutinen bereits in der bibliothekarischen Praxis angekommen sind.

Digitalisierung von kulturellem Erbe in den USA frei
Ein Bericht der Librarian in Residence 2015

Nadine Ullmann
Retrodigitalisierung ist mittlerweile in der Bibliothekswelt schon fast ein alter Hut. Nicht selten hört man die Frage, ob man damit nicht bald am Ende angekommen sei. Das liegt häufig daran, dass der Begriff Digitalisierung gleichgesetzt wird mit dem Vorgang des Scannens, also dem technischen Prozess der Erfassung. Galt es in der Anfangsphase der Retrodigitalisierung in Bibliotheken zunächst, möglichst schnell einen gewissen Grundstock an Scans online zu stellen und zu präsentieren, ist mittlerweile in vielen Einrichtungen eine gewisse kritische Masse an Digitalisaten erreicht –
die Workflows sind optimiert und Standards etabliert. Digitalisierung bedeutet aber nicht nur Produktion, sondern auch die Erschließung des Vorhandenen durch Metadaten, die nutzerfreundliche Präsentation und Zugänglichmachung. Dabei gibt es durchaus noch Entwicklungspotenzial. Im Sinne der gestiegenen Ansprüche von Wissenschaft und Forschung sollen neue Modelle der Aufbereitung, Zugänglichmachung und Nutzung digitaler Inhalte initiiert und die Weiterentwicklung der Digital Humanities vorangetrieben werden.

Investitionen in der Universitätsbibliothek Gießen frei
– Eine studentische Sicht

Sebastian Dippelhofer
Der Begriff Bibliothek zieht differenzierte Vorstellungen darüber nach sich, wie sie als Einrichtung konkret zu fassen ist. Ihnen gemein ist die Sicht, sie solle Informationen sammeln, sichern, bewahren und für die Öffentlichkeit aufbereiten. Dabei kommt ihr in wissensbasierten Gesellschaften eine besondere Stellung zu – durch die Rolle der Universität gilt das zumal für Universitätsbibliotheken. Als gesellschaftliche Einrichtung ist sie ferner nicht losgelöst von dem sich verstärkenden Trend der Digitalisierung zu sehen. Die sich ausdifferenzierenden Informations- und Kommunikationstechniken tragen besonders zu neuen Herausforderungen in der Informationsdarstellung und -vermittlung bei, die zu gestalten und zu verzahnen sind. Unterlegt von der Annahme, dass deren erfolgreiche Verknüpfung positiv auf die Akzeptanz neuer Medien wirkt, versuchen neben Hochschulen auch Bibliotheken, die sich der
Literatur folgend entmaterialisieren, auf den digitalen Wandel zu reagieren.
   Als Paradigmenwechsel von Bibliothek diskutiert, tangiert das auch die bisherigen Arbeits- und Lernformen im Studium. So dürfte es für eine nachhaltige Akzeptanz dieses Wandels bedeutsam sein zu ergründen, inwieweit die Klientel der Studierenden für Investitionen in diese Veränderungen oder weiterhin für Investitionen in traditionelle Strukturen plädiert. Das möchte der vorliegende Beitrag insoweit aufgreifen, als zunächst die Veränderung von Bibliotheken im Fokus der Digitalisierung diskutiert und daran anschließend anhand einer im Bibliotheksnetzwerk der Justus-Liebig-Universität Gießen durchgeführten Studie empirisch erkundet wird, in welche Dienstleistungen dort aus studentischer Sicht investiert werden sollte.