21. Juli 2018

b.i.t.online   2 / 2016
6. Bibliothekskongress in Leipzig

Im Dilemma zwischen Wunsch und Wirklichkeit frei
Die Rollendiskussion der Bibliotheken dominierte den 6. Bibliothekskongress in Leipzig, 14. - 17. März 2016.
Daneben war nur ein allgemeiner Trend zu erkennen: zusammenrücken und gemeinsam vorgehen.

Vera Münch
Bibliotheken müssen sich neu erfinden, wenn sie ihre Zukunft erleben wollen; wissenschaftliche wie öffentliche, Zentral- wie Spezialbibliotheken. Doch zwischen dem Wunsch nach progressiver Erneuerung und der in Etats manifestierten Wirklichkeit klafft eine große Lücke. Vor allem aber fehlt es an Strategie. Nach zwei Jahrzehnten des Experimentierens mit neuen Bibliotheksräumen, real und digital, von Co-Working- und Makerspaces über die Verbundcloud bis hin zur erweiterten Realitätswahrnehmung durch digitale Einblendungen in die reale Szene, ist das Gesamtbild
Bibliothek unschärfer denn je. In Leipzig wurden nun erstmals Stimmen laut, sich wieder auf das Wesentliche bibliothekarischer Arbeit, die Kernaufgaben von Bibliotheken, zu konzentrieren. Nur: Was ist das heute?
     Auf dem 6. Bibliothekskongress gab es natürlich keine abschließende Antwort. Aber viel geredet wurde über die Zukunft. 3.800 Teilnehmende aus über 30 Ländern arbeiteten gemeinsam daran, sie zu gestalten. 140 Aussteller aus 10 Ländern präsentierten dazu ihre Produkte und Dienstleistungen.

Plädoyers für Universitätsbibliotheken, Händler und Agenturen. frei
Bericht über die Podiumsdiskussion „Medien der Zukunft – vom analogen Sammeln zum digitalen Jagen?
Erwerbung quo vadis?” des GeSIG Netzwerk Fachinformation e.V auf dem 6. Bibliothekskongress in Leipzig.

Vera Münch und Helga Bergmann
GeSIG griff auf die Metapher des Jagens und Sammelns zurück, um, so die Verantwortlichen, „diese beiden Aspekte in Bezug auf den Wechsel von analog auf digital provokant gegeneinander zu stellen”. Es gelang bestens. In der Veranstaltung wurde nicht nur Information gejagt und gesammelt, sondern auch heftig diskutiert, sogar, wie es der Direktor der UB Passau, Dr. Steffen Wawra, ausdrückte, „gehauen und gestochen”. Dies, so Wawra „zeigt, dass die GeSIG wieder einmal den richtigen Riecher für kontroverse Diskussionen
hatte”. In den drei Themenblöcken in Leipzig wurde herausgearbeitet, wie extrem sich Digitalisierung, Medienwandel, Open Access und die Reorganisation der Publikationssammlungen durch FIDs auf die Erwerbung, die Handelsstrukturen und die Beschaffungskosten auswirken. Die Veranstaltung knüpfte nahtlos an die Debatte des Themenkomplexes „Schöne neue Welt? Bestandsaufbau im digitalen Zeitalter”2 an, die bereits auf dem Bibliothekartag 2015 in Nürnberg leidenschaftlich geführt wurde.

Innovationsforum auf dem Bibliothekskongress in Leipzig frei

Karin Holste-Flinspach
Gleich am Kongressmontag wurden die Arbeiten der drei Preisträgerinnen des b.i.t.online-Innovationspreises – diesmal von den Hochschulen in Stuttgart und Köln – einem interessierten Publikum vorgestellt.
     Das breite Spektrum der ausgewählten Abschlussarbeiten gab dabei einen exemplarischen Einblick in die Bandbreite der enormen Veränderungen im Bibliotheksbereich.