23. Januar 2018

b.i.t.online   4 / 2017
Fachbeiträge

Bewegungsbücher in 3D

Eine Konzeptstudie zur Digitalisierung dynamischer Buchobjekte

Christian Mathieu und Marius Hug
Seit einigen Jahren erleben die Material Culture Studies einen rasanten und nach wie vor ungebremsten Aufschwung, in dessen Gefolge schrifttragende Artefakte in ihrer Dinghaftigkeit ins Zentrum des wissenschaftlichen Erkenntnisinteresses rücken. Befördert wird dieser als „Materialisierung des Kulturellen” und weit häufiger als Material Turn bezeichnete Prozess nicht nur durch zahlreiche wissenschaftspolitische Impulse und Förderinitiativen, sondern auch und vor allem durch die technischen Potentiale der Digitalisierung, die unter dem Paradigma der Digital Humanities immer stärker auch von den Geistes- und Kulturwissenschaften ausgeschöpft werden. Gerade in Verbindung mit der Förderlinie Die Sprache der Objekte:
Materielle Kultur im Kontext gesellschaftlicher Entwicklungen hat sich das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit seiner Ausschreibung zur Digitalisierung von Objekten des kulturellen Erbes eHeritage in diesem Zusammenhang als gestaltende Triebkraft erwiesen. Nachdem die Staatsbibliothek zu Berlin gemeinsam mit der Universität Potsdam bereits 2014 mit dem Forschungsvorhaben Alexander von Humboldts Amerikanische Reisetagebücher: Genealogie, Chronologie und Epistemologie im Rahmen des zuerst genannten Förderformats erfolgreich war, konnte sie sich im vergangenen Jahr auch über die Bewilligung ihres Projektantrags BeWeB-3D im Zuge der eHeritage-Ausschreibung freuen.

Freie Digitalisate für uneingeschränktes wissenschaftliches Arbeiten

André Lahmann
Die UB Leipzig digitalisiert bereits seit langem ihre vielfältigen Bestände und stellt den NutzerInnen die bildlichen Digitalisate zur Verfügung. Mit dem Kriterienkatalog der „Open Library Badge 2016” – eine virtuelle Auszeichnung mit dem Ziel, die Offenheit von Bibliotheken sichtbar zu machen – wurde an der UB Leipzig
im Zuge einer kritischen Selbstreflexion hinsichtlich ihrer Openness auch die Praxis der Veröffentlichung von Digitalisaten geprüft und überarbeitet. Das Ergebnis ist eine Open Digitalization Policy, die die Nutzung der Digitalisate in keiner Weise einschränkt.

Leitfaden zu Open Educational Resources
für Bibliotheken und Informationseinrichtungen

Wolf-Dietrich Mußmann, Sabine Stummeyer, Anke Wittich und Uta Kirtyan
„Bitte entfernen Sie alle vom Rahmenvertrag §52a UrhG betroffenen Dateien von den Hochschulservern”, lauteten zahlreiche Mitteilungen von Hochschulleitungen an die Mitglieder ihrer Hochschulen zum Ende des Jahres 2016. Dieser Mitteilung sind viele Diskussionen zum Thema Urheberrecht vorausgegangen, haben Fragen und Befürchtungen aufgeworfen. Betroffen sind insbesondere Lehr- und Lernmaterialien auf den Lernplattformen, die ergänzend zu den Lehrvorträgen für Studierende zur Verfügung gestellt werden. Gleichzeitig werden studierendenzentrierte Lehrformen wie z.B. flipped classroom propagiert, eine Lehrform, bei der
Lernmaterial für Studierende im Vorfeld der Lehrveranstaltung bereitgestellt wird. Zwar ist das Damoklesschwert des § 52a UrhG dann kurz vor Inkrafttreten abgeschwächt und aktuell mit einer anderen Praxis belegt worden, trotzdem bleibt ein gewisser Handlungsbedarf zur Lösung dieser Diskrepanz. Open Educational Resources (OER) bieten sich in diesem Fall an, um einerseits urheberrechtlichen Problemen aus dem Weg zu gehen, andererseits Studierende umfangreich mit Selbstlernmaterial zu versorgen und damit die gewünschte didaktische Weiterentwicklung zu unterstützen.