19. September 2018
  NEWS

Elsevier-Boykott:
Akademischer Frühling in Deutschland eher verregnet

ZBW-Umfrage zeigt:
Deutsche Wirtschaftswissenschaftler sympathisieren zwar mit Elsevier-Boykott
und Open Access, hängen aber am etablierten Reputations- und Rankingsystem

Forschende aus aller Welt boykottieren zur Zeit den Elsevier-Verlag, da dieser aus ihrer Sicht als dominanter Zeitschriftenverleger wissenschaftliche Inhalte monopolisiert, die dann nur zu horrenden Subskriptionspreisen der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht werden. Dem steht der Open-Access-Gedanke gegenüber, nach dem alle öffentlich finanzierten Forschungsergebnisse auch frei zugänglich sein müssen. Eine Anfang Mai durchgeführte ZBW-Umfrage zum aktuellen Elsevier-Boykott und zu Open Access macht deutlich: Das etablierte System der teuren Subskriptionszeitschriften ist zwar unbeliebt, wird aber mangels hinreichender Alternativen überwiegend weiter bedient.

Den Boykottaufruf gegen Elsevier haben weltweit mittlerweile mehr als 11.500 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterzeichnet. Allerdings wird die Aktion vor allem von Naturwissenschaftler/innen getragen. Die ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft hat nun Wirtschaftswissenschaftler/innen aus ganz Deutschland zu ihrer Position zum Elsevier-Boykott (siehe: www.thecostofknowledge.com) und ihrer Einstellung zur Open-Access-Bewegung befragt.

Insgesamt haben 813 Wirtschaftswissenschaftler/innen an der Umfrage teilgenommen. 8 Prozent der Befragten haben den Elsevier-Boykott unterzeichnet. 39 Prozent der Wissenschaftler/innen jedoch haben sich bewusst gegen eine Teilnahme an der Akademikerrevolte entschieden. Weitere 8 Prozent waren weder informiert noch interessiert. Der Löwenanteil der Befragten allerdings, das sind 46 Prozent, hatte bis zum Befragungsstart am 2. Mai 2012 noch nicht vom Elsevier-Boykott gehört und denkt zumindest über eine Teilnahme nach.

Zum Thema Open Access antworteten 73 Prozent der Befragten, dass sie zwar grundsätzlich die Open-Access-Idee unterstützen, aber mangels Alternativen vorwiegend in klassischen Subskriptionszeitschriften veröffentlichen, weil diese oftmals über eine höhere Reputation und das bessere Ranking verfügen. Nur 6 Prozent der Befragten veröffentlichen bereits in Open-Access-Journals. 6 Prozent der Wissenschaftler/innen dagegen halten die Open-Access-Idee nicht für tragfähig und veröffentlichen auch in Zukunft weiterhin in klassischen Subskriptions-Journals. Immerhin knapp 16 Prozent sympathisieren mit der Open-Access-Bewegung und sind an alternativen Publikationsmodellen interessiert.

Die befragten Wissenschaftler/innen kamen zu 46 Prozent aus volkswirtschaftlichen Instituten, zu 39 Prozent aus betriebswirtschaftlichen Instituten und zu 15 Prozent aus anderen wirtschaftswissenschaftlichen Fachgebieten: Befragt wurden sowohl Professor/inn/en (34 Prozent) als auch wissenschaftliche Angestellte (63 Prozent).

Als Gründe für die Zurückhaltung gaben vor allem junge Wissenschaftler/innen an, dass sie negative Auswirkungen auf ihren weiteren Karriereverlauf befürchten. Einer der Befragten sagte beispielsweise: „Die Möglichkeit des Boykotts ist Professoren mit Lebenszeitstellen gegeben; als junger Wissenschaftler wäre es jedoch geradezu fahrlässig gegenüber der eigenen Zukunft, auf Publikationen in den teils sehr renommierten Zeitschriften von Elsevier zu verzichten.“

www.zbw.eu

www.facebook.com/DieZBW


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