21. April 2018
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Wissenschaftlichen Output neu begreifen

Gelungener Ideenaustausch auf der Bibliometrie 2012

Foto: Peter Brünsteiner
Empfang im Alten Rathaus. v.l.: Der Experte für elektronisches Publizieren Dr. Gernot Deinzer, Direktor der Universitätsbibliothek Dr. Rafael Ball, Prorektor der Universität Prof. Dr. Hans Gruber und der Bürgermeister der Stadt Regensburg Joachim Wolbergs.

Knapp 150 Bibliometriker aus aller Welt trafen sich bei der ersten internationalen Bibliometrie Konferenz und Fachmesse an der Universitätsbibliothek Regensburg. Drei Tage lang wurde hier über die neuesten Erkenntnisse in der Quantifizierung des wissenschaftlichen Outputs diskutiert. Der abendliche Empfang beim Bürgermeister im Alten Rathaus rundete die gelungene Konferenz mit Regensburger Anekdoten und einem Gläschen vom seltenen Regensburger Wein ab.

Bei der Bibliometrie 2012 geht es darum, die Quantifizierung wissenschaftlichen Outputs und deren unterschiedliche Ausgestaltung innerhalb der verschiedenen Disziplinen mit relevanten Ideen zu bereichern. Warum wurde nun aber diese Fachkonferenz ausgerechnet von einer Universitätsbibliothek veranstaltet? Die Bereitstellung von Information und Literatur für Wissenschaft und Forschung war und ist eine zentrale Aufgabe für Bibliotheken , Nun hat sich aber seit der digitalen Revolution vor rund 20 Jahren nicht nur die Art und Weise der Informations- und Literaturversorgung und damit die Kernaufgabe der Bibliotheken geändert, sondern auch die Art und Weise der wissenschaftlichen Literaturproduktion und damit die eigentliche Wissenschaftskommunikation dramatisch verändert.

Während die Menge des wissenschaftlichen Outputs explodiert, findet Wissenschaft und Forschung heute längst nicht mehr im unbeobachteten Schutzraum des wissenschaftlichen Elfenbeinturms statt, sondern auf der Bühne des gesellschaftlichen Schlachtfeldes um Gelder, Ehre und Anerkennung. Ob die Wissenschaft das wahrhaben will oder nicht, sie konkurriert beim Kampf um die Mittel der Staaten mit Schwimmbädern, Autobahnen, dem neuen europäischen Kampfhubschrauber und mit den ausufernden Sozialausgaben. Die Gesellschaft will es sich nicht mehr länger leisten, Wissenschaft bedingungslos vor sich hin arbeiten zu lassen, sie verlangt zu Recht Rechenschaft auch von jenen, die mit Steuergeldern die Fußnoten in den Briefen von König Ludwig analysieren. Die Geisteswissenschaften, Teile der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften und auch die Rechtswissenschaft beharren dabei noch viel zu sehr auf qualitativen Kriterien für die Bewertung von Wissenschaftsleistungen, teils aus Angst in der subjektiven Schutzatmosphäre der wissenschaftlichen Freiheit gestört zu werden, teils aus Unkenntnis über die Methoden der Bibliometrie, teils aus Angst vor quantitativen Meßgrößen, denn noch immer gilt es in Teilen der Geisteswissenschaften als chick zu behaupten, man habe von Mathematik und Zahlen keine Ahnung. Allerdings muß man fair bleiben: Die Publikationskultur in den Geistes- und Sozialwissenschaften unterscheidet sich von der in der Medizin und den Naturwissenschaften deutlich und tatsächlich ist es nicht immer einfach, ihren wissenschaftlichen Output quantitativ zu fassen. Um das zu ändern und um neue Herangehensweisen zu entwickeln, wurde die Bibliometrie 2012 ins Leben gerufen und spätestens beim Empfang im Alten Rathaus waren sich Universitätsbibliothek, Unileitung und Stadt einig: Regensburg eignet sich ideal für solch eine Konferenz.


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