19. Oktober 2018
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Von Algorithmen, Monopolisten und dem gläsernen Menschen

An der Universitätsbibliothek Regensburg wurde eine neue Veranstaltungsreihe unter dem Titel „Mensch & Information – Die Zukunft der Wissensgesellschaft“ ins Leben gerufen. In der Auftaktveranstaltung am Dienstag, den 21. Mai 2013 entstand eine lebhafte Diskussion über Netzpolitik und deren Einfluss auf die moderne Gesellschaft.

Der Bundesgerichtshof fällte am 24. Januar dieses Jahres ein Urteil, welches den Bürgern Schadensersatzforderungen möglich macht, wenn der Internetanschluss ausfällt. Spätestens seitdem hat das Internet als temporäres Massenphänomen ausgedient, ist es doch längst zur Lebensgrundlage der meisten Menschen geworden. Das Internet ersetzt durch seine leicht verfügbaren Informationen immer mehr die klassischen Medien. Dies hat unmittelbaren Einfluss nicht nur auf das Privatleben des Einzelnen, sondern auf die Gesellschaft als Ganzes und damit nicht zuletzt auf die Bibliotheken. Grund genug für die Universitätsbibliothek Regensburg sich dieses Themas anzunehmen.

Die Neue Veranstaltungsreihe der Universitätsbibliothek Regensburg „Mensch & Information – Die Zukunft der Wissensgesellschaft„ befasst sich mit der Medien- und Technikrevolution der letzten Jahre und diskutiert die Vor- und Nachteile dieser Entwicklung.

Während der Auftaktveranstaltung stellten Studierende der Hochschule Regensburg unter der Leitung von Dr. Annekathrin Schmid ihre Forschungsergebnisse zum Thema „Wem gehört das Internet?“ in kreativen Kurzvorträgen vor. In Form einer Gesellschafts- und Medienanalyse näherte man sich dem Thema fachspezifisch an, entwarf Zukunftsszenarien und diskutierte diese mit dem Publikum. Netzphänomene wie Facebook und Monopolisten wie Apple kamen genauso zur Sprache, wie grundsätzliche Funktionsweisen des Web 2.0. Algorithmen beispielsweise werden von Google verwendet, um eine auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnittene und damit personalisierte Internetrecherche zu ermöglichen. Dabei liegt es im Interesse des Internetriesen, so viele Informationen wie möglich über den Einzelnen herauszufinden. Die dabei anfallenden Datenmengen, in der Fachwelt „Big Data“ genannt, werden von immer leistungsfähigeren Software-Programmen verarbeitet und archiviert.

In der Praxis helfen Algorithmen und die dadurch entstehenden Datenmengen schon heute, nach Steuerbetrügern oder Sexualstraftätern effektiver zu fahnden. Ein etwas unheimlich wirkendes Zukunftsszenario beschreibt die präventive Verbrechensbekämpfung mit Hilfe von Algorithmen, indem man Straftaten aufdeckt, bevor sie geschehen. Der Zuhörer fühlt sich dabei unweigerlich an Science-Fiction-Filme der Marke „Minority Report“ erinnert. Neben all den lebenserleichternden Vorteilen, welche das Internet heute bietet (Man denke zum Beispiel an die Verwendung von Cookies beim Einkauf über Amazon, wo unsere persönlichen Daten immer komfortabel zur sofortigen Nutzung bereit stehen), wurde auch auf die Gefahren von Algorithmen, Cookies und Big Data aufmerksam gemacht. Der informationelle Machtmissbrauch, wie die Möglichkeit der Manipulation, der Diskriminierung und der ökonomischen Ausbeutung des Menschen, stehen der Freiheit der Information und damit den Grundrechten der Menschen gegenüber. Es gab also 1991 sehr wohl einen Grund dafür, dass man das Internet der allgemeinen Öffentlichkeit dezentral zugänglich machte. „Wir müssen uns um das Internet kümmern, denn es gehört uns allen“ ist daher wohl die beste Antwort auf die Frage: „Wem gehört das Internet?“.

„Diese neue Veranstaltungsreihe zielt darauf ab, den Blick über den Tellerrand von morgen zu wagen und wo ginge das besser als an einer Universität“ bemerkte der Direktor der Universitätsbibliothek Dr. Rafael Ball in seinem Grußwort gegenüber den Studierenden und warb damit dafür, dass gerade an den Hochschulen eine gleichsam offene und auch kritische Auseinandersetzung mit der digitalisierten Gesellschaft von heute und morgen möglich sein muss.

Die Termine der Veranstaltungsreihe „Mensch & Information – Die Zukunft der Wissensgesellschaft“ sind drei- bis viermal pro Jahr geplant. Die nächste Veranstaltung, dann zum Thema „Was macht Bibliotheken innovativ?“ wird im Sommer 2013 an der Universitätsbibliothek Regensburg stattfinden. Zu Gast wird dann der ehemalige Leiter des Bereichs Innovation und Marketing an der Bibliothek der ETH-Zürich und jetzige Professor für Bibliotheks- und Informationswissenschaft an der HTW-Chur, Prof. Dr. Rudolf Mumenthaler, sein.

www.uni-regensburg.de/bibliothek


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