17. Dezember 2018
  NEWS

ULB Düsseldorf digitalisiert Schulprogramm-Sammlung
der Bibliothek des Görres-Gymnasiums

Die Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf beabsichtigt – nachdem sie ihre eigene Schulprogramm-Sammlung im Umfang von 40.000 Einheiten bereits erschlossen und digitalisiert hat – im Rahmen ihrer landesbibliothekarischen Verantwortung und in enger Abstimmung mit dem Görres-Gymnasium in Düsseldorf, die dortige umfangreiche und wertvolle Schulprogramm-Sammlung nach dem gleichen Muster zu erschließen, zu digitalisieren und in einem gemeinsamen Internet-Portal für die weltweite Forschung zugänglich zu machen.

Das Görres-Gymnasium in Düsseldorf besitzt eine der größten historischen Schulprogramm-Sammlungen in Deutschland. Schulprogramme – genauer gesagt: historische Schulprogramme – wurden vornehmlich im 19. und 20. Jahrhundert im deutschen Sprachraum von Lehrern höherer Schulen verfasst und publiziert. Es handelt sich dabei in der Regel um Jahresberichte der Schulen und um wissenschaftliche Abhandlungen im Umfang von etwa 4 bis 50 Seiten. Letztere erschienen entweder zusammen in einem Heft mit den Jahresberichten – gegebenenfalls als „Beilage zum Jahresbericht“ gekennzeichneter Teil – oder als selbstständige Publikation.

Schulprogramme gehörten bisher zu den von Bibliotheken vernachlässigten Gattungen. Auch im Rahmen der großen Retrokonversions- und Rekatalogisierungsaktivitäten der letzten Jahrzehnte blieben sie unberücksichtigt. Sie zählen damit zu den „hidden collections“, deren Erschließung und Zugänglichmachung vor Kurzem auch vom Wissenschaftsrat als dringendes Desiderat angemahnt wurde.1

Die bisher aufgrund der defizitären Erschließungssituation kaum ausgeschöpfte Quelle der Schulprogramme ist für eine große Bandbreite wissenschaftlicher Fragestellungen, insbesondere für alle Disziplinen der Geschichtswissenschaft, der historischen Bildungsforschung und aufgrund der breit gestreuten Themen in den genannten Abhandlungen auch für die allgemeine, griechische, lateinische und deutsche Sprachwissenschaft, die Kulturgeschichte, Mythologie und Archäologie sowie die Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften von großer Bedeutung.

Das Görres-Gymnasium Düsseldorf wurde 1545 von Wilhelm V., Herzog von Jülich-Kleve-Berg, einem Anhänger humanistisch-reformatorischer Bildungsziele, als „Herzogliche Landesschule“ gegründet und besteht bis heute als humanistisches Gymnasium. Zu den bekanntesten Lehrern zählen der Düsseldorfer Hofgärtner Maximilian Friedrich Weyhe und der Physiker, Geodät und Publizist Johann Friedrich Benzenberg; zu den bekanntesten Schülern gehören Heinrich Heine und Theodor Joseph Lacomblet. Die Lehrerbibliothek des Görres-Gymnasiums umfasst neben der genannten Schulprogramm-Sammlung und der Bibliotheca Vossiana etwa 10.000 Bände Alte Drucke (16.–19. Jahrhundert) und 10.000 Bände neuere Literatur. Die Sammlung ist im Handbuch der historischen Buchbestände beschrieben.

Die Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf hat seit 2008 ein leistungsstarkes Digitalisierungszentrum aufgebaut, das zurzeit mit sechs Hochleistungsscannern für unterschiedliche Materialien (drei i2s CopiBook Buchscanner, ein Grazer Buchtisch, ein Grazer Buchtisch Traveller, ein Cruse Spezialscanner) ausgestattet ist. Die Workflows zur Retrodigitalisierung von Kulturgut basieren auf der Software Visual Library, multidotscan und dem scantoweb-Verfahren. Die Bibliothek hat mehrere DFG-Projekte und zahlreiche Inhouse-Projekte, unter anderem die oben erwähnte Digitalisierung ihrer Schulprogramm-Sammlung, erfolgreich abgeschlossen2. Die Ergebnisse der Düsseldorfer Digitalisierung werden regional und national aufgrund ihres hohen Qualitätsstandards geschätzt und intensiv genutzt.

Durch die geplante Erschließung und Digitalisierung der Schulprogramme des Görres-Gymnasiums und die virtuelle Zusammenführung der Digitalisate mit den Beständen der ULB Düsseldorf im Rahmen eines Schulprogramm-Portals soll eine Digitale Sammlung entstehen, in der fast der gesamte existierende Bestand an Schulprogrammen in Deutschland für die nationale und internationale Forschung in einem überschaubaren Zeitraum von etwa drei Jahren in einer tiefenerschlossenen Form komfortabel, leicht recherchier- und auswertbar zugänglich gemacht wird.


1. Wissenschaftsrat: Empfehlungen zu wissenschaftlichen Sammlungen als Forschungsinfrastrukturen. Berlin, 28.01.2011, S. 10f. und S. 41. (URL: http://www.wissenschaftsrat.de/download/archiv/10464-11.pdf).

2. Vgl. dazu: Siebert, Irmgard: Sammlungen entdecken, erhalten, erschließen und vernetzen. Zehn Jahre Qualitätsdigitalisierung an der ULB Düsseldorf. In: ProLibris 2 (2013), S. 62 – 69.

 



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