21. September 2018
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Börsenverein: Steuerschwenk von Amazon ist Augenwischerei

Vom Steuer-Buhmann zum Steuer-Vorbild? Seit Mai 2015 versteuert Amazon seine in Deutschland erwirtschafteten Gewinne nach eigenen Angaben in Deutschland. Mit der geänderten Steuerpolitik betreibt der Online-Händler jedoch nach Ansicht des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels Augenwischerei. „Das ist reine Notwehr. Amazon ist gezwungen zu handeln, denn die EU-Kommission schließt nach und nach alle Steuerschlupflöcher in Europa“, sagt Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins. Unterm Strich werde der deutsche Fiskus allerdings nichts davon haben. „Amazon verfolgt eine aggressive Expansionspolitik, investiert seinen Gewinn in den Ausbau der Marktmacht und Marktkontrolle. Doch wer keine Gewinne macht, wird auch keine Körperschaftssteuer zahlen müssen.“

Stattdessen investiert Amazon in Osteuropa und eröffnet für den Vertrieb nach Deutschland Versandzentren in Polen und Tschechien. Dabei erwartet das Onlineunternehmen, dass deutsche Verlage und Zwischenbuchhändler kostenfrei zu den ausländischen Logistikzentren liefern. „Damit bürdet Amazon seinen Geschäftspartnern höhere Logistikkosten auf, profitiert aber selber von den deutlich niedrigeren Lohnkosten und Steuerermäßigungen in den osteuropäischen Ländern. Das ist inakzeptabel“, so Skipis. Zudem stoße der Online-Händler dort auf weniger gewerkschaftlichen Widerstand als in Deutschland. „Die ökologischen Folgen sind unverantwortlich: Bücher an deutsche Kunden werden zum Teil 1.000 Kilometer und mehr nach Osteuropa und wieder zurück transportiert.“

 



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