22. Juli 2018
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Neues aus der Digitalisierung

Badische Landesbibliothek stellt die millionste Zeitungsseite ins Netz

Was gibt es Lehrreicheres und zugleich Unterhaltsameres als in alten Zeitungen zu stöbern? Historische Zeitungen sind nicht nur für Otto Normalverbraucher eine wahre Fundgrube, sondern bilden auch in den unterschiedlichsten Fachdisziplinen eine wertvolle Forschungsgrundlage für viele Fragestellungen. Aus diesem Grund zählen sie zu den in Bibliotheken stark nachgefragten Quellengattungen, die zunehmend in den Fokus der Digitalisierung geraten.

Die Badische Landesbibliothek hat bereits vor mehreren Jahren begonnen, historische Zeitungen in ihre Digitalisierungsstrategie einzubeziehen. Die inzwischen auf mehrere Titel angewachsene Sammlung digitaler Zeitungsausgaben deckt den Zeitraum vom ausgehenden 18. Jahrhundert bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs ab. Sie zeigt das politische Meinungsspektrum während des Kaiserreichs und der Weimarer Republik, während die wenigen im Dritten Reich neben dem NSDAP-Organ Der Führer erschienenen Blätter weitgehend gleichgeschaltet waren. Zu den bislang digital verfügbaren großen Tageszeitungen mit ihren diversen Beilagen, darunter die Karlsruher Zeitung, das Karlsruher Tagblatt, die Badische Presse, der Badische Beobachter, die Badische Landeszeitung und Der Führer, ist als weiteres Angebot nun der sozialdemokratisch ausgerichtete Volksfreund getreten. Mit seiner Freigabe im Netz überschreitet die Badische Landesbibliothek heute die Marke von einer Million digitalisierten Zeitungsseiten.

Bequem ist nun zu ermitteln, wie die badischen Sozialdemokraten vor genau 100 Jahren auf den Sturz des Zaren in Russland reagierten. Deuteten sie die revolutionären Ereignisse in Petrograd als Vorbild für Baden und Deutschland oder standen sie treu zu Kaiser und Großherzog? Während der Volksfreund noch ausgiebig die Zeichnung der sechsten deutschen Kriegsanleihe bewarb, verknüpften die Zeitungsredakteure die ersten Meldungen über den Umsturz mit der Frage, ob der Gegner im Osten wohl nun aus dem Krieg ausscheiden werde. Ab dem 14. März 1917 berichtete der Volksfreund regelmäßig über das Geschehen in der russischen Hauptstadt, aber auf die Titelseite schafften es diese Meldungen nur sehr selten.

Weitere Zeitungstitel werden derzeit in der Digitalisierungswerkstatt der BLB bearbeitet. Schrittweise durchlaufen alle digitalisierten Zeitungsseiten ein Volltexterkennungsprogramm, so dass die Suche nach einzelnen Namen oder Ereignissen deutlich erleichtert wird. Ein Kalender hilft dabei, bestimmte Tagesausgaben schnell herauszufiltern. Mit den Vorläufern der großen Tageszeitungen, den sog. Intelligenzblättern und Wochenblättern, die nicht allein für Karlsruhe und Durlach, sondern auch für andere Orte und einzelne Kreise des Umlandes erschienen, soll künftig insbesondere die Quellenlage für das 18. Jahrhundert verbessert werden.

Die von der BLB frei ins Netz gestellten Zeitungen sind über die „Digitalen Sammlungen“ auf der Bibliothekshomepage unter http://digital.blb-karlsruhe.de zu erreichen.

 



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