19. November 2019
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Forschung spitze, Verwertung bescheiden: Auf der Suche nach den Gründen

Deutschland ist ein Hightech-Land mit Spitzenforschung – aber ein Leichtgewicht im internationalen Vergleich, wenn es darum geht, aus Forschungsergebnissen Innovationen zu machen. Wie können Maßnahmen aussehen, um Ausgründungen aus der Wissenschaft zu fördern? Welche Rolle spielt dabei die menschliche Psyche? Dieser Frage geht aktuell das Entrepreneurship Research Institute der Technischen Universität München (TUM) nach.

Während in Ländern wie den USA eine Tradition des Ausgründens innovativer Geschäftsmodelle oder zukunftsweisender Produkte längst ein normaler und auch erfolgreicher Weg ist, finden in Deutschland nur wenige Ideen aus der Wissenschaft ihren Weg in die Wirtschaft. Dabei würden alle Beteiligten von mehr Gründungen aus akademischen Einrichtungen profitieren: Die Umsetzung von Forschungsergebnissen in marktfähige Produkte und Geschäftsmodelle schafft nicht nur regionales Wirtschaftswachstum, sondern steigert auch die Innovationskraft und damit die internationale Wettbewerbsfähigkeit.

Eine effektive Förderung von akademischen Entrepreneuren setzt allerdings das Verständnis voraus, warum und unter welchen Rahmenbedingungen Wissenschaftler unternehmerisch aktiv werden. Los geht es bei den Persönlichkeitsmerkmalen: Eine Reihe von empirischen Untersuchungen hat gezeigt, dass sich Gründer durch Risikobereitschaft, Kreativität, Selbstvertrauen, Eigenverantwortlichkeit, Leistungsorientierung und Stresstoleranz auszeichnen. Nach dem „Big-Five-Modell“, einer Langzeitbefragung von mehr als 20.000 Menschen, sind emotionale Stabilität, Extraversion – also Kontaktfähigkeit und Durchsetzungsfähigkeit – sowie Offenheit für Erfahrung entscheidende Aspekte für Unternehmensgründungen. Je stärker diese ausgeprägt sind, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass jemand den Schritt in die Selbstständigkeit wagt.

Neben dem psychologischen Aspekt spielt die Universität beziehungsweise Forschungseinrichtung eine große Rolle: Der „Entrepreneurial Spirit“ muss im Wertesystem verankert und vorgelebt werden. Für Wissenschaftler ist die Marktwirtschaft oft ein unbekanntes Terrain, gerade im Dschungel der Finanzierungsmöglichkeiten – ob nun Wettbewerbe, Crowd-Funding, Investoren oder das Bundes-Förderprogramm Exist – können Einsteiger schnell den Überblick verlieren. Viele Universitäten bieten ihren Forschern deshalb spezielle Informationsangebote mit Gründer-Seminaren sowie Netzwerktreffen an und unterstützen sie mit ihren Kontakten in die Wirtschaft. Ein Gründungsteam mit heterogener Zusammensetzung ist klar im Vorteil: Durch Köpfe mit Industrieerfahrung werden mangelnde Kenntnisse von Marktmechanismen und -bedarf ausgeglichen.

Daneben braucht es eine stärkere finanzielle Unterstützung, für die Gründung eines Unternehmens ist die Startfinanzierung entscheidend. In diesem Zusammenhang lohnt sich ein Blick in die USA, dort ist die Bereitschaft, die Kommerzialisierung von Ideen aus der Wissenschaft zu fördern, sehr viel größer. Die Universität Berkeley erhält von der Regierung, insbesondere der National Science Foundation, sieben Milliarden US-Dollar pro Jahr. Damit soll die Kommerzialisierung von Forschungsergebnissen vorangetrieben werden, bisher wurden über 1.000 Teams bei ihrem Schritt in die Wirtschaft begleitet. Von solchen Fördergeldern können deutsche Einrichtungen nur träumen.

Es gilt, die grundlegend relevanten, aber oftmals vernachlässigten psychologischen Prozesse hinter akademischen Ausgründungen zu verstehen. Nirgendwo liegt so viel Wissen, Innovationspotenzial und Ideenreichtum wie in der Wissenschaft. Im Auftrag der Joachim Herz Stiftung geht das Entrepreneurship Research Institute der Technischen Universität München aktuell der Frage nach, welche Persönlichkeitsmerkmale und Teamdynamiken Ausgründungen aus der Wissenschaft beeinflussen.

Die Zwischenergebnisse des Forschungsprojekts „Forschen und Gründen“ stellt das Forscherteam um Professor Holger Patzelt und Professor Nicola Breugst am 10. Oktober in Garching vor.

 



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