21. Oktober 2018
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Informatikprofessor übernimmt Ruder der weltgrößten Wirtschaftsbibliothek

Foto: Sven Wied
Prof. Dr. Klaus Tochtermann, Direktor der ZBW

Prof. Dr. Klaus Tochtermann wird neuer Direktor der Deutschen Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften – Wissensmanagement-Forscher will ZBW als führende Serviceeinrichtung für die Wissensgesellschaft 3.0 etablieren  

Kiel/Hamburg - Erstmalig übernimmt ein Informatiker die Leitung einer wissenschaftlichen Nationalbibliothek. Professor Klaus Tochtermann startet heute als Direktor der Deutschen Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften, einer der bedeutenden Spezialbibliotheken in Deutschland. Der Experte für Wissensmanagement und Web 2.0 will die ZBW in Zukunft als Partner der akademischen Forschung aufstellen, der mit völlig neuen IT-Lösungen Akzente für die Wissenschaftsproduktivität setzt.  

Das Internet hat die Arbeitsplatzumgebungen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern revolutioniert. Einerseits bringt das Web Wissenschaftler/innen Informationen per Mausklick schnell auf den Schreibtisch und eröffnet neue Chancen der Selbstorganisation, zum Beispiel über Web-2.0-Tools. Andererseits liefert es Forschende einer großen unsortierten Informationsflut aus, in denen die meisten nur mit viel Mühe den Überblick behalten. Gutes Wissensmanagement wird so zum Karrierefaktor, auch um die Spreu vom Weizen zu trennen. Zugleich wird es nach wie vor peer-review-Prozesse geben müssen, um die wissenschaftlichen Standards weiter hoch zu halten.  

Vor diesem Hintergrund wird sich die Deutsche Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften (ZBW) als eine der bedeutendsten Wissenschaftsbibliotheken in Europa als Serviceeinrichtung für die Wissenschaftscommunity neu aufstellen.  

Klaus Tochtermann will für die ZBW den Weg ins digitale Zeitalter bereiten und die Bibliothek als zukünftigen Gestalter des Web 3.0 formen: „Aufgrund der rasanten Weiterentwicklung des Internets befindet sich die Medienbranche in einem noch nie da gewesenen Umbruch. Mein Ziel ist nicht nur, dass die ZBW diesen Umbruch erfolgreich meistert, sondern sich zukünftig als international anerkannter Innovator positioniert.“  

Tochtermanns Forschungsschwerpunkte sind Wissensmanagement, Web 2.0, Semantische Technologien und Future Internet. Für seine Forschungstätigkeit übernimmt der neue ZBW-Direktor zugleich eine Professur für Medieninformatik an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Universitätspräsident Professor Gerhard Fouquet begrüßt diese Verknüpfung: „Wir freuen uns, mit Klaus Tochtermann einen international anerkannten Forscher für die neue Professur für Medieninformatik gewonnen zu haben, der durch zahlreiche preisgekrönte Projekte mit großen Wirtschaftsunternehmen ausgewiesene Erfahrung in der angewandten Forschung hat und die Vernetzung zwischen der Kieler Universität und der ZBW stärkt.“  

Klaus Tochtermann, geboren 1964, kehrt gewissermaßen nach Kiel heim. Nach dem Abitur an der Kieler Gelehrtenschule studierte er an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Informatik bis zum Vordiplom. Diplom und Promotion an der Universität Dortmund folgten sowie ein Postdoc an der Texas A&M University, Center for the Studies of Digital Libraries, circa 120 Kilometer nördlich von Houston. Von 1997 bis 2000 war Professor Tochtermann am Forschungsinstitut für anwendungsorientierte Wissensverarbeitung (FAW) in Ulm tätig, bis er 2001 die wissenschaftliche Leitung der neu gegründeten wirtschaftsnahen Forschungseinrichtung Know Center an der TU Graz übernahm. 2002 habilitierte sich Klaus Tochtermann für das Fach „Angewandte Informationsverarbeitung“ und wurde 2004 zum Universitätsprofessor und Vorstand des Instituts für Wissensmanagement der TU Graz berufen, wo er bis 2010 den Lehrstuhl für Wissensmanagement innehatte.  

Auch von Seiten der Landesregierungen wird diese innovative Stellenbesetzung befürwortet. Der für die Wissenschaft zuständige Minister des Landes Schleswig-Holstein Jost de Jager sagte: „Wir sind hocherfreut, mit Klaus Tochtermann einen herausragenden deutschen Forscher aus dem Ausland wieder zurück nach Schleswig-Holstein geholt zu haben.“ Die Hamburger Senatorin für Wissenschaft und Forschung Dr. Herlind Gundelach ergänzte: „Diese Berufung ist ein wichtiger Schritt, um den Norden als Wissenschaftsstandort in Deutschland besser zu positionieren.“


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