21. Januar 2018
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FIZ CHEMIE Geschäftsführung nimmt Stellung
zur Empfehlung des Senats der Leibniz-Gemeinschaft

FIZ CHEMIE vor großen Herausforderungen: Senat der Leibniz-Gemeinschaft (WGL) empfiehlt Bund und Ländern, die gemeinsame Förderung der Einrichtung zu beenden gleichzeitig stuft er Produkte und Dienstleistungen als zukunftsfähig und förderwürdig ein

Berlin - Der Senat der Leibniz-Gemeinschaft (WGL) hatte in seiner vergangene Woche veröffentlichen Stellungnahme mitgeteilt, dass er Bund und Ländern empfiehlt, die gemeinsame Förderung seines Mitgliedsinstituts Fachinformationszentrum Chemie (FIZ CHEMIE) zu beenden. Gleichzeitig würdigt er "die beiden traditionsreichen und qualitativ sehr überzeugenden Datenbanken ChemInform und Infotherm und erkennt die Beiträge des FIZ CHEMIE zur Förderung des schulischen und wissenschaftlichen Nachwuchses sowie zur Ausbildung in Chemie-Berufen an". Die nächste Entscheidung liegt nun bei der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) als verantwortlichem Gremium von Bund und Ländern. Sie wird für Mai erwartet. Bis dahin werden entsprechend der WGL-Empfehlung Lösungen im Rahmen der gemeinsamen Bund-Länder-Förderung gesucht.

Dazu nimmt der Geschäftsführer von FIZ CHEMIE, Professor Dr. René Deplanque, wie folgt Stellung: "Die Empfehlung ist für uns natürlich eine große Herausforderung. Aber wir sind sehr zuversichtlich, dass wir unsere bewährten, gut nachgefragten Produkte und Dienstleistungen auch künftig anbieten können. Die Bewertungsgruppe der Leibniz-Gemeinschaft hat fast alle Arbeitsfelder, auf denen das FIZ CHEMIE tätig ist, als zukunftsfähig und förderungswürdig beurteilt und u. a. die Datenbanken mit ihren hochwertigen Inhalten (Contents) zur Weiterförderung empfohlen. Jetzt muss mit dem Aufsichtsrat und den verantwortlichen Gremien eine neue Organisationsform gefunden werden, in der wir die Informationsprodukte und die Kompetenzen unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Informationsinfrastruktur der Wissenschaft und Forschung bereitstellen können. In den nächsten Wochen und Monaten werden die Möglichkeiten mit dem Aufsichtsrat und den Trägern diskutiert und Lösungsansätze ausgeformt".

Als Infrastruktureinrichtung für die Forschung hat das FIZ CHEMIE seit 30 Jahren den öffentlichen Auftrag, wissenschaftliche Literatur und Daten aus der Chemie und chemienahen Wissenschaften zu recherchieren, aufzubereiten und für die Wissenschaft bereitzustellen. "Unser Ziel war und ist, Forschung, Industrie und Lehre durch eine erstklassig vernetzte Informations-Infrastruktur und topaktuelle, wissenschaftlich fundierte Informationsdienste optimal zu unterstützen", so Deplanque.

Als Beispiel für den Aufbau wissenschaftlich fundierter Informations- und Bildungsangebote führt er das große, mehrjährige Projekt "Vernetztes Studium – Chemie“ (VS-C) mit Partnern an bundesweit 16 Chemie-Lehrstühlen an. VS-C lieferte die Grundlagen für die heute von FIZ CHEMIE angebotene eLearning-Produktfamilie Chemgaroo Educational Systems, zu der u. a. die Online-Enzyklopädie ChemgaPedia gehört. Diese topaktuelle multimediale Ausbildungsplattform mit über 1.700 Lerneinheiten, 18.000 Seiten, 25.000 Media-Objekten erfreut sich mit rund 500.000 Zugriffen im Monat hoher Akzeptanz in Forschung, Lehre, Schule und Industrie. Die Inhalte der Lehr- und Lerneinheiten haben wissenschaftliche Qualität. Sie stammen größtenteils von Hochschulpartnern, Seit kurzem stellt auch die Industrie Arbeitsfelder aus der Praxis vor. Mit einer Forschungsgruppe der Freien Universität Berlin (FU) arbeitet FIZ CHEMIE seit Herbst 2010 an der Untersuchung dynamisch generierte Lernpfade. Als Grundlage wird der Inhalt von ChemgaPedia semantisch erschlossen. Die Lerntrajektorien sollen Nutzerinnen und Nutzer beim Selbststudium unterstützen und führen.

Weitere aktuelle Beispiele für erfolgreiche Projekte und Kooperationen sind die internationale Zusammenarbeit beim InChI-Trust sowie die Kooperation zum Aufbau der Publikationsplattform XCITR  (eXplore Chemical Information Teaching Resources). Für die Initiative InChI-Trust, die im Juli 2009 als Interessensgemeinschaft für die Verbreitung und Weiterentwicklung des International Chemical Identifiers (InChI) gegründet wurde, betreibt FIZ CHEMIE das Büro und die Webseite (www.InChI-Trust.org) und beteiligt sich insbesondere an der Entwicklung eines Reaktionen-InChI. Das Kürzel InChI steht für eine Identifikations-Zeichenkette vergleichbar ISBN für Bücher oder Digital Object Identifier (DOI) für digitale Dokumente und Primärdaten, mit der man chemische Substanzen und zukünftig auch Reaktionen in elektronischen Quellen im Internet eindeutig kennzeichnen und damit sicher such- und auffindbar machen kann. Auch diese und vergleichbare Aktivitäten im Bereich Standards und Normen wurden von der Evaluierungsgruppe als für die Zukunft sehr wichtig und förderwürdig identifiziert. Mit der Publikationsplattform XCITR entsteht seit letztem Jahr ein internationales Repository für qualitätsgeprüfte und bewertete Lehrmaterialien aus der Chemieinformation, das gemeinsam von den Fachgruppen Chemie-Information-Computer der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und CINF, der Abteilung für Chemieinformation der amerikanischen Chemiefachgesellschaft ACS konzipiert und vom FIZ CHEMIE technisch realisiert wird. XCITR wurde im November 2010 auf der 6. German Conference on Chemoinformatics in Goslar zum ersten Mal öffentlich präsentiert (www.xcitr.org).

Welches Potential die bei FIZ CHEMIE verfügbaren Kompetenzen und Contents für gemeinsame Forschung und Entwicklung mit der Wirtschaft beinhalten, zeigt unter anderem die Mitte vergangenen Jahres abgeschlossene Retro-Digitalisierung und Erschließung des ersten und ältesten Referatedienstes der Chemie (Chemisches Zentralblatt). Der Wirtschaftspartner InfoChem GmbH, München, hat die von FIZ CHEMIE digitalisierten 2 Terabyte "Zentralblatt" mit moderner Data-Mining-Technologie struktursuchbar gemacht. Die Datenbank deckt alle von 1830 bis 1969 publizierten wissenschaftlichen Erkenntnisse und Patente der Chemie und Pharmazie ab.

Professor Deplanque ist überzeugt: "In seiner derzeitigen Form einer gemeinnützigen GmbH  wird es FIZ CHEMIE vielleicht bald nicht mehr geben. Die Produkte, die Informations-, Entwicklungs- und Networking-Dienstleistungen werden aber sicher in einer anderen Lösung fortgeführt"


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