21. Januar 2018
  NEWS

Erste Fachwirte für Informationsdienste

Ende Mai 2011 legten die bundesweit ersten Fachwirte für Informationsdienste ihre Fortbildungsprüfung nach Absolvierung eines im Januar 2009 begonnenen Lehrgangs beim Verwaltungsseminar Frankfurt erfolgreich ab.

Zugelassen wurden Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung als Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste oder eines Vorläuferberufes und zusätzlicher Berufserfahrung.

Mit dem Erlass der Prüfungsordnung gemäß § 54 des Berufsbildungsgesetzes und Verabschiedung des Curriculums durch den hessischen Berufsbildungsausschuss am 01.November 20071, 2 waren die Voraussetzungen zur Lehrgangseinrichtung geschaffen.

Die hessische Prüfungsordnung orientiert sich formal an der Prüfungsordnung für Verwaltungsfachwirte, inhaltlich bilden die 2005 veröffentlichten Empfehlungen der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) und ver.di die Grundlage, von der allerdings in Bezug auf höher angesetzte Zulassungsvoraussetzungen, stärkeren Fachbezug des Lehrplans und anderen Fächerzuschnitt abgewichen wird.

Die angestrebte Qualifizierung zur laut Bundesagentur für Arbeit qualifizierte Fach- und Führungsaufgaben baut auf den in der Erstausbildung erworbenen Basiskenntnissen sowie der erworbenen beruflichen Handlungsfähigkeit in der Berufspraxis auf.

Die Präsenzveranstaltungen des Fortbildungslehrgangs (640 Unterrichtsstunden) waren wöchentlich auf die Freitage und Samstage außerhalb der hessischen Schulferien gelegt, um den berufstätigen Teilnehmern die Weiterqualifizierung parallel zur Berufsausübung ermöglichen. Die anfallenden Lehrgangskosten von mindestens 4160 Euro, zuzüglich eventuell anfallender Fahrt- und Übernachtungskosten übernahmen entweder der Arbeitgeber oder die Teilnehmer bei verschiedensten Zwischenlösungen. Ähnlich sah es bei der Freistellung aus.

Auf dem Stundenplan der Starter standen zunächst dem Prüfungsfahrplan folgend handlungsübergreifende Inhalte wie Volks- und Betriebswirtschaft, Recht und Steuern, Organisation, Informationsmanagement, Rechnungswesen und Controlling, Personalwirtschaft, Führung und Kommunikation allerdings mit konkreten Bezügen zur Arbeitssituation in Bibliotheken, Archiven und Dokumentationsstellen. Die Fortbildungsprüfung beinhaltet fünf schriftliche Aufsichtsarbeiten sowie eine praktische Prüfung. Die erste Teilprüfung im Frühjahr 2010 umfasste drei Arbeiten aus den genannten eher übergreifenden Fächern, ein Jahr später wurden zwei Arbeiten aus den Bereichen Informationsprozesse und Informationssysteme, Berufsspezifisches Recht sowie Archivieren, Erhalten, Sichern und Vermitteln von Informationen und Dokumenten. Die Anfertigung der Projektarbeiten über eine Problemstellung oder einen Sachverhalt aus der Praxis erfolgte im April 2011. Das ausgewählte Themenfeld reichte von Content-Management-Systemen über RFID-Anwendungen bis zu sozialen Netzwerken in Hochschulbibliotheken.

Die Präsentation der Inhalte und Ergebnisse der Projektarbeit vor dem Prüfungsausschuss und ein anschließendes Fachgespräch beendete die Fortbildungsprüfung.

13 Prüflinge überwiegend aus wissenschaftlichen Bibliotheken bestanden die Prüfung mit gutem Erfolg. Den (zumeist weiblichen) Teilnehmern kann große Leistungsbereitschaft und Engagement attestiert werden, insbesondere, weil die gering gehaltenen Präsenzphasen einen entsprechen höheren Selbststudienanteil bedingten.

Wie bei einem Pilotprojekt zu erwarten, gab es Anlaufschwierigkeiten z.B. bei der häufig aus eingeschränkter zeitlicher Verfügbarkeit scheiternden Dozentensuche für den engeren fachlichen Bereich, da hier im Gegensatz zu den fachübergreifenden Modulen nicht auf erfahrene Fortbilder des Lehrgangsanbieters zurückgegriffen werden konnte.

Unsicherheiten bei der Umsetzung des recht abstrakt gehaltenen Curriculums kamen hinzu.

Problematisch stellte sich auch ungeachtet von Personalentwicklungsplänen in den Beschäftigungsstellen häufig die praktische Umsetzung des angedachten Lehrgangsbesuches neben der normalen Erwerbstätigkeit dar- sowohl in Bezug auf eine bezahlte Freistellung für die Lehrgangsteilnahme als auch im Hinblick auf die Finanzierung des Lehrgangs.

Bis zum Sommer 2011 hat das hessische Fachwirtangebot sein Alleinstellungsmerkmal gehalten, erst im Folgejahr wird die Bundesverwaltung ein exklusiv für ihre Beschäftigten vorgehaltenes Fachwirtangebot auflegen.

Ausgehend von den wenigen hessischen Absolventen kann auch zum jetzigen Zeitpunkt keine allgemeine Prognose über Berufsperspektiven von Fachwirten abgegeben werden.

Die demografische Entwicklung der kommenden Jahre aber mit einem wahrscheinlich zunehmenden Fachkräfteengpass dürfte die Fachkräftesicherung auch für Bibliotheken zu einer Herausforderung werden lassen, die zwar nicht durch perspektivische Fortbildungsmöglichkeiten gelöst werden kann, deren Mangel sich aber negativ bei der Konkurrenz um Ausbildungsplatzbewerber auswirken dürfte.

In der Berufsöffentlichkeit ist die ursprüngliche Ablehnung der Fachwirtfortbildung im Abflauen begriffen, somit kann dem ersten Lehrgang in Hessen vielleicht der Verdienst eines Anstoßes zur Einrichtung qualifizierter berufsbegleitender Weiterbildung für Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste bundesweit zukommen.

In Hessen ist die Fortführung der Lehrgänge geplant.


Anmerkungen

1. Prüfungsordnung für die Durchführung von Fortbildungsprüfungen zum/zur Fachwirt/Fachwirtin für Informationsdienste vom 16. Januar 2008 (StAnz. S. 366), zuletzt geändert am 3. August 2009 (StAnz. S. 1758)

2. Lehr- und Stoffplan für den Fortbildungslehrgang. In: Staatsanzeiger des Landes Hessen vom 20. Okt. 2008 Nr. 43 S. 2678-2682)


Goooooogle-Anzeigen