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13. Mai 2026
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In der Ausgabe 04/2026 (Mai 2026) lesen Sie u.a.:

  • Wie verlässlich sind Metadaten für Forschungsdaten wirklich?
  • Erfundene Quellen – wie KI-Zitationen die Wissenschaft unter Druck setzen
  • Zwischen Bildschirmzeit, Stress und Lernverlust
  • Warum Bibliotheken im Zeitalter von KI wichtiger werden und mit einem Vertrauensparadox zu kämpfen haben
  • Schweden setzt in Schulen wieder auf Bücher
  • Warum KI-Kompetenz mehr sein muss als Toolwissen
  • Wie stark KI-Texte das Netz schon prägen
  • Open Access bringt Vorteile, aber nicht in jedem Fach auf die gleiche Weise
  • Was ChatGPT und Ghostwriting über Autorschaft verraten
  • Warum E-Books in US-Schulen zur Kostenfrage werden
u.v.m.
  fachbuchjournal
2009 bis 2023

Con brio! Musikaliensammlung der Donaueschinger Hofbibliothek
komplett digital

Im September 2025 hat die Badische Landesbibliothek in Karlsruhe die Digitalisierung der Musikbestände aus Fürstlich Fürstenbergischem Besitz abgeschlossen. Die Sammlung überliefert das Notenmaterial der 1762 in Donaueschingen gegründeten Hofkapelle und des 1784 errichteten Hoftheaters. Sie umfasst 3.612 Handschriften und 5.314 Drucke aus dem 16. bis 20. Jahrhundert, darunter eine Mozart-Sammlung von außergewöhnlichem Quellenwert. Und sie ist einzigartig hinsichtlich ihrer Geschlossenheit und ihrer ausgewogenen Mischung nahezu aller musikalischen Gattungen. Von Anfang an wurden die Digitalisate sehr stark genutzt. Nach Abschluss der Digitalisierung stehen nun alle Werke weltweit rund um die Uhr zur Verfügung.

Finanziert hat die Digitalisierung der Donaueschinger Musiksammlung die Stiftung Kulturgut Baden-Württemberg. Unterstützt durch die Kulturstiftung der Länder und die Badische Bibliotheksgesellschaft e.V. hatte sie sich bereits beim Ankauf aus dem Privatbesitz des Fürstenhauses herausragend engagiert. Die Musikalien aus Donaueschingen erreichten die Badische Landesbibliothek verpackt in 144 Umzugskartons am 11. November 1999. Bei der Bearbeitung stellte sich heraus, dass mehr als die Hälfte der Notendrucke an keiner anderen Bibliothek nachgewiesen war. So war zunächst einmal viel Arbeit in die fachgerechte Erschließung zu investieren, bevor mit der Digitalisierung begonnen werden konnte. Die Stiftung Kulturgut Baden-Württemberg hat langen Atem bewiesen und über fünfzehn Jahre hinweg das Digitalisierungsprojekt ermöglicht.

Begonnen wurde die Digitalisierung der Donaueschinger Musikalien 2011 mit den Widmungskompositionen, die zu festlichen Anlässen des Herrscherhauses wie Geburtstagen, Ehe- oder Regierungsjubiläen entstanden sind und im Bestand eine eigene Gruppe bilden. 2013 folgte die Fortsetzung mit den frühesten Werken, darunter berühmte Lautenbücher wie die von Sebastian Ochsenkuhn (Heidelberg 1558), Giulio Cesare Barbetta (Straßburg 1582) und Sixt Kargel (Straßburg 1586). In den folgenden sieben Teilprojekten wurden zunächst die Handschriften digitalisiert, danach die Drucke bis zum Jahr 1930.

Eine ganz wichtige Rolle spielte der Donaueschinger Hof für Wolfgang Amadeus Mozart, denn alle seine Opern wurden zu seinen Lebzeiten dort aufgeführt und die Noten davon haben sich erhalten. Die von Mozart selbst nach Donaueschingen verkauften Abschriften seiner Opern und die von ihm eigenhändig durchgesehenen Noten seiner Sinfonien haben heute den Rang von musikalischen Primärquellen und sind ganz außerordentlich wichtig für die Forschung. Nirgendwo sonst in Deutschland haben sich so viele Mozart-Handschriften erhalten.

Es finden sich nicht nur die Werke der Donaueschinger Hofmusikdirektoren im Bestand, sondern auch die Werke der Hofkapellmeister in den benachbarten fürstlichen Residenzen Bruchsal, Karlsruhe, Mannheim, Straßburg oder Stuttgart: Niccolò Jommelli (1714–1774) Johann Evangelist Brandl (1760–1837), Johann Abraham Sixt (1757–1797), Franz Danzi (1763–1826), Conradin Kreutzer (1780–1849), Johann Wenzel Kalliwoda (1801–1866) und viele andere mehr. Der Wert dieser Notenbestände für die musik- und theatergeschichtliche Erforschung des Landes Baden-Württemberg kann gar nicht überschätzt werden.

Auch viele durchreisende Künstler besuchten den musikliebenden und Musikern gegenüber großzügigen Hof in Donaueschingen. Einen besonderen Höhepunkt stellte 1843 der Auftritt von Franz Liszt (1811–1886) dar: Der berühmte Pianist und Komponist weilte drei Tage vor Ort und konzertierte mehrfach vor der Hofgesellschaft. Sein Klavierspiel rührte, so ein zeitgenössischer Bericht, seine Zuhörerinnen und Zuhörer zu Tränen. Dass viele Musikdrucke von Franz Liszt im Bestand der Donaueschinger Musikalien aufbewahrt werden, verwundert deshalb nicht.

Überliefert sind auch zahlreiche Werke zu Lebzeiten hochgeschätzter Komponistinnen, deren Werke, Lebensumstände und Arbeitsmöglichkeiten in den letzten Jahren immer mehr das ihnen gebührende Interesse finden. Und wie in vielen fürstlichen Notensammlungen des 19. Jahrhunderts sind auch Kompositionen von adligen Angehörigen des Donaueschinger Hofstaats oder der benachbarten Fürstenhöfe vorhanden, insbesondere Lieder mit Klavierbegleitung.

Die Musikaliendigitalisierung wird jetzt mit dem Bestand der Schlossbibliothek Baden-Baden fortgesetzt.

https://digital.blb-karlsruhe.de/Musikalien