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  • Erfundene Quellen – wie KI-Zitationen die Wissenschaft unter Druck setzen
  • Zwischen Bildschirmzeit, Stress und Lernverlust
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  • Schweden setzt in Schulen wieder auf Bücher
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  • Was ChatGPT und Ghostwriting über Autorschaft verraten
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2009 bis 2023

Staatsbibliothek zu Berlin restituiert 23 Bände
an Fürst Philipp zu Stolberg-Wernigerode

Die Staatsbibliothek zu Berlin hat 23 Bände aus der Fürstlich-Stolberg-Wernigerödischen Bibliothek an Fürst Philipp zu Stolberg-Wernigerode zurückgegeben. Bei den Ende Dezember 2025 übergebenen Drucken handelt es sich um drei Schriften des 16. Jahrhunderts, 17 Bände des 18. Jahrhunderts sowie vier Bände des 19. Jahrhunderts. Das inhaltliche Spektrum reicht von kirchengeschichtlichen Werken über neuere deutsche Literatur bis hin zu Schriften über den Harz und sogenannten Wernigerodana.

Reinhard Altenhöner, Ständiger Vertreter des Generaldirektors der Staatsbibliothek zu Berlin erklärt: „Mit dieser Rückgabe sorgen wir dafür, dass enteignete Bücher aus dem Kontext der Nachkriegs­geschichte wieder in die Hände ihres rechtmäßigen Eigentümers gelangen. Die Staatsbibliothek kommt damit ihrer Verantwortung nach, der Herkunft ihrer Bestände vor allem dann sorgfältig nach­zugehen, wenn der Verdacht besteht, dass sie auf unrechtem Weg in die Sammlung gelangt sind. Besonders erfreulich ist, dass Fürst Stolberg die Bibliothek seiner Vorfahren, zu der auch die heute übergebenen Bände gehören, durch einen digitalen Katalog sowie die Aufstellung vor Ort in Hirzenhain der Öffentlichkeit zugänglich macht.“

Die 23 Bände wurden im Zuge mehrerer Forschungsprojekte sowie im Rahmen regulärer bibliothekarischer Katalogisierungs- und Erschließungsarbeiten in den Sammlungen der Staatsbibliothek identifiziert. Ein Projekt widmete sich den Zugängen von NS-Raubgut nach 1945 und der Tätigkeit der 1953 in der DDR gegründeten Zentralstelle für wissenschaftliche Altbestände. Ein weiteres, noch laufendes Projekt untersucht die Aktivitäten des zwischen 1959 und 1989 nicht nur in der DDR, sondern europa- und weltweit tätigen Zentralantiquariats der DDR.

Im Zusammenhang mit diesen Projekten hat die Staatsbibliothek bislang mehr als 12.000 Exemplare auf eine möglicherweise belastete Provenienz überprüft. In ihrem Online-Katalog weist sie inzwischen für mehr als 200.000 Exemplare Provenienz­informationen aus. Zu den nun an die Fürstlich-Stolberg-Wernigerödische Bibliothek restituierten Objekten zählen unter anderem Johann Wolfgang von Goethes Lustspiel Die Mitschuldigen (1899 in Leipzig als Faksimile erschienen), eine 1558 in Lyon gedruckte Biblia Sacra sowie das dreizehnbändige Werk Gallia Christiana, das ab 1716 in Paris veröffentlicht wurde.

Die Fürstlich-Stolberg-Wernigerödische Bibliothek

Die Fürstlich-Stolberg-Wernigerödische Bibliothek zählt zu den großen historischen Adelsbibliotheken. Zwar sah sich das Fürstenhaus 1928/29 aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten gezwungen, die wertvollsten Handschriften und Bücher zu verkaufen, dennoch umfasste sie weiterhin mehr als 120.000 Bände. Auch in den Folgejahren kam es zu weiteren Verkäufen an Bibliotheken und Sammler. So erwarb die Preußische Staatsbibliothek 1930 und 1934 umfangreiche Bestände, darunter die Abteilung Hymnologie und die Leichenpredigten als geschlossene Sammlungen, außerdem Inkunabeln, Kataloge von Privatbibliotheken, Bibelausgaben, einige Lutherdrucke sowie mehr als 500 Werke der deutschen Literatur. Trotz dieser Verkäufe umfasste die Bibliothek Stolberg-Wernigerode 1945 noch rund 90.000 Bände.

Verluste, Enteignung und Verteilung nach 1945

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden 1946 etwa 50.000 Bände der Bibliothek durch sowjetische Trophäenbrigaden in die Sowjetunion verbracht. Die verbliebenen Bestände wurden im Zuge der Bodenreform enteignet und 1948 in die Universitäts- und Landesbibliothek Halle überführt. Ein kleinerer Teil gelangte in andere Bibliotheken oder in den antiquarischen Buchhandel.

Bei den nun in der Staatsbibliothek identifizierten Exemplaren aus der Fürstlich-Stolberg-Wernigerödischen Bibliothek handelt es sich überwiegend um Schriften, die sogenannte Kriegsverluste ersetzen sollten. Als „Kriegsverlust“ galt dabei auch die Auslagerung von Büchern in den Westen und damit deren Unzugänglichkeit für die in Ost-Berlin ansässige Deutsche Staatsbibliothek. Die Einarbeitung der identifizierten Exemplare in den Bestand der Staatsbibliothek erfolgte ab 1962.

Im Zuge der Recherchen stellte sich heraus, dass einige der Bände nachweislich aus der Universitäts- und Landesbibliothek Halle stammten, die dafür keine Verwendung hatte. Andere gelangten über den antiquarischen Buchhandel zunächst in private Sammlungen und von dort schließlich in die Staatsbibliothek zu Berlin.

https://www.stolberg-wernigerode.de/