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13. Juni 2026
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In der Ausgabe 04/2026 (Mai 2026) lesen Sie u.a.:

  • Wie verlässlich sind Metadaten für Forschungsdaten wirklich?
  • Erfundene Quellen – wie KI-Zitationen die Wissenschaft unter Druck setzen
  • Zwischen Bildschirmzeit, Stress und Lernverlust
  • Warum Bibliotheken im Zeitalter von KI wichtiger werden und mit einem Vertrauensparadox zu kämpfen haben
  • Schweden setzt in Schulen wieder auf Bücher
  • Warum KI-Kompetenz mehr sein muss als Toolwissen
  • Wie stark KI-Texte das Netz schon prägen
  • Open Access bringt Vorteile, aber nicht in jedem Fach auf die gleiche Weise
  • Was ChatGPT und Ghostwriting über Autorschaft verraten
  • Warum E-Books in US-Schulen zur Kostenfrage werden
u.v.m.
  fachbuchjournal
2009 bis 2023

ZB MED startet Prozess zur digitalen Souveränität

Neues Positionspapier:
Weg aus der Technologieabhängigkeit – realistisch, entschlossen, zukunftsfähig

ZB MED – Informationszentrum Lebens­wis­sen­schaften hat ein Positionspapier zur digitalen Souveränität verabschiedet und bekennt sich damit als eine der ersten wissenschaftlichen (Infrastruktur-)Einrichtungen in Deutschland zu einem Fahrplan hin zu mehr technologischer Unabhängigkeit. Das Papier benennt klar die strukturellen Risiken digitaler Abhängigkeit und formuliert strategische Grundsätze, konkrete Kriterien für souveräne IT-Entscheidungen sowie Leitlinien für die Umsetzung.

Wissenschaft braucht digitale Handlungsfähigkeit

Die Abhängigkeit von einigen wenigen großen Technologiekonzernen ist längst kein rein wirtschaftliches Problem mehr. Aktuelle geopolitische Entwicklungen zeigen, dass Marktmacht auch für politische Zwecke eingesetzt werden kann. Für wissenschaftliche Einrichtungen entstehen daraus unmittelbare Risiken: für Datenschutz, Rechts­sicherheit, Innovationsfähigkeit und die Glaubwürdigkeit offener Wissenschaft.

ZB MED reagiert auf diese Lage mit einem realistischen, schrittweisen Ansatz hin zur digitalen Souveränität. Im Mittelpunkt stehen drei strategische Felder:

  • Flexibilität beim Einsatz und Wechsel digitaler Lösungen
  • Gestaltungsfähigkeit durch eigene technische Kompetenzen
  • Mehr Einflussmöglichkeiten gegenüber Technologie-Anbietern

Public money? Public code!

Das Positionspapier verknüpft digitale Souveränität mit den Werten offener Wissen­schaft. Open Source Software ist für ZB MED kein technisches Detail, sondern ein strategisches Instrument: Sie fördert Transparenz, Nachnutzbarkeit und Kollaboration – Kernprinzipien von Open Science.

Während Open Source in der Entwicklung wissenschaftlicher Software bei ZB MED bereits Standard ist, gilt dies für die IT-Infrastruktur – von Büro-Software bis Lösungen zur Bereitstellung von virtuellen Maschinen – noch nicht. Genau hier setzt das Positionspapier an – und markiert den Beginn eines bewussten Transformations­prozesses.

Impuls für die wissenschaftliche Community

Positionspapiere zur digitalen Souveränität werden bislang vor allem von der öffentlichen Verwaltung, der Politik und der IT-Wirtschaft herausgegeben. Wissen­schaftliche (Infrastruktur-)Einrichtungen, die diesen Schritt institutionell und mit konkreten Handlungsfeldern gehen, sind bisher eine Ausnahme.

„Digitale Souveränität ist kein Zustand, den man einmal erreicht – es ist ein kontinuierlicher Prozess“, stellt Prof. Dr. Dietrich Rebholz-Schuhmann, wissen­schaftlicher Direktor von ZB MED fest. „Wir freuen uns, wenn andere Einrichtungen aus Wissenschaft und Forschungsinfrastruktur mit uns in den Dialog treten und wir gemeinsam Erfahrungen aufbauen.“

Realistisch starten – konsequent weitermachen

„Der Weg zur digitalen Souveränität bei ZB MED wird kein Spaziergang werden, sondern eher eine Fernwanderung – aber wir kennen das Ziel, wir haben die Navigation im Blick, und wir machen uns jetzt auf den Weg“, erklärt Franziska Fischer, Kaufmännische Geschäftsführerin von ZB MED.

Das Papier benennt klar: Eine sofortige Kostenersparnis ist nicht zu erwarten, die gewachsenen Abhängigkeiten sind komplex, der kulturelle Wandel braucht Zeit. Genau daher ist es erforderlich, den Prozess zu starten: Wer zu lange wartet, riskiert, dass die Abhängigkeiten sich noch vertiefen.

Das Positionspapier ist öffentlich zugänglich und richtet sich an interne und externe Stakeholder, an Partner, Förderer und die wissenschaftliche Gemeinschaft. ZB MED versteht es auch als Einladung zum gemeinsamen Handeln.

Digitale Sourveränität bei ZB MED