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2009 bis 2023

Sammler Egidio Marzona schenkt UBL bedeutende
filmwissenschaftliche Bibliothek von Filmkritiker Hans Schifferle

© Robin Thomas/SigiGötz-Entertainment
Filmkritiker Hans Schifferle

Der am 15. März 2026 verstorbene Kunst­sammler Egidio Marzona hat kurz vor seinem Tod die filmwissenschaftliche Bibliothek des Münchner Filmkritikers Hans Schifferle der Universitätsbibliothek Leipzig (UBL) geschenkt. Es handelt sich um eine umfangreiche und inhaltlich vielfältige Sammlung von mehr als 20.000 Bänden zu filmischen Genres, Regisseur*innen, Schauspieler*innen und einer breiten Palette von interdisziplinär relevanten Filmthemen. Die UBL wird den Bestand sukzessive sichten, erschließen und der Forschung zugänglich machen.

Dr. Anne Lipp, Direktorin der UBL erklärt: „Wir haben es hier mit einer sehr großzügigen Schenkung zu tun, für die wir sehr dankbar sind. Die Universität Leipzig ist geradezu prädestiniert als Umfeld für diese außergewöhnliche filmwissenschaftliche Bibliothek, ist doch an der UBL der Fachinformationsdienst (FID) Media angesiedelt.“

Diese von der DFG geförderte Infrastruktur in Kooperation mit der Universität Marburg versorgt Kommunikations- und Medienwissenschaftler*innen nicht nur in Leipzig, sondern in ganz Deutschland mit Fachmedien.

Hans Schifferle (1957–2021) war Filmkritiker und Essayist. Er schrieb seit den 1990er Jahren für die Süddeutsche Zeitung, epd Film und andere. In seinem Schaffen gab es keine Grenzen zwischen Hochkultur und Trash, zwischen Avantgarde und Mainstream, zwischen Blockbuster und Arthouse. Mit film- und kulturhistorischer Expertise analysierte er auch vermeintlich Randständiges und öffnete den Blick für das weniger Bekannte. Schifferle war ein klassischer Cinephiler, er sammelte obsessiv und forschte leidenschaftlich. Geprägt hatte ihn die Münchner Kinoszene der 1980er Jahre, insbesondere das dortige Filmmuseum und das Werkstattkino.

Seine Sammlung umfasst Bücher, Zeitschriften und audiovisuelle Medien. Die beeindruckende inhaltliche Breite der Bücher spiegelt sich in den behandelten Genres wider wie Animationsfilm, Fantasy, Film Noir, Kinderfilm und Western, aber auch Experimental- und Dokumentarfilm. Sammlungsschwerpunkte liegen bei Schau­spieler*innen und Regisseur*innen sowie bei Hollywood-Produktionen und den Gattungen Krimi, Erotik- und Horrorfilm. Daneben gibt es Werke zur Filmtheorie sowie zu übergreifenden Themen der Filmanalyse wie Feminismus und LGBTQ oder zum Filmschaffen in einzelnen Ländern, zu literarischen oder historischen Stoffen, aber auch zum kulturpolitischen Umfeld wie Filmfestivals und Zensur.

Der am 15. März dieses Jahres verstorbene Egidio Marzona (1944–2026) erwarb 2021 den Nachlass Hans Schifferle, dessen Buchbestand jetzt an die UBL ging. Marzona hat eine der umfangreichsten Sammlungen zur Kunst des 20. Jahrhunderts zusammen­getragen. Sie befindet sich zu großen Teilen im Archiv der Avantgarden – Egidio Marzona (ADA). Das im Mai 2024 im eigens umgebauten „Blockhaus“ am Dresdner Elbufer eröffnete ADA gehört zu den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) und versteht sich als Museum und als Forschungsplattform.

Seine heterogene Sammlung umfasst mehr als 1,5 Millionen Objekte aus dem Bereich der künstlerischen Avantgarden des 20. Jahrhunderts. Dazu gehören die Werke der Bildenden Kunst selbst, aber auch Objekte und Dokumente, die im Kontext entstanden sind wie Fotos, Plakate, Briefe oder Publikationen. Das ebenfalls aus dem Nachlass stammende Archiv von Hans Schifferle wurde von Egidio Marzona an das ADA übergeben und steht dort zu Recherche- und Forschungszwecken für die Öffentlichkeit bereit.

© Universitätsbibliothek Leipzig
Ein kleiner Einblick in die Sammlung

Dr. Rudolf Fischer, der Leiter des ADA, resümiert: „Egidio Marzona war es ein zentrales Anliegen, die beeindruckende Sammlung Schifferle nutzbar zu machen. Dafür ist die UBL der ideale Ort und ein wunderbarer Komplementär zu unserem umfangreichen Sammlungsbestand in Dresden.“

Für die UBL ist die Schenkung der Biblio­thek von Hans Schifferle die Gelegenheit, die Expertise im Bereich Filmwissenschaft sichtbar zu machen. Als eine der Träger­einrichtungen des FID Media sieht sie sich dem Auftrag verpflichtet, Spezial­ressourcen standortunabhängig deutsch­landweit zur Verfügung zu stellen. Die Sammlung Schifferle trifft auf den Bedarf seitens der Forschung zu interdisziplinär angelegten medienwissenschaftlichen Fragestellungen und auf ein Interesse an marginalisierten Produktionen und Themen.

www.ub.uni-leipzig.de