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6. Juli 2026
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In der Ausgabe 05/2026 (Juni/Juli 2026) lesen Sie u.a.:

  • Bürgerforum fordert mehr Medienbildung, Plattformregeln und lokale Öffentlichkeit
  • Jugendliche wollen besseren Schutz, aber keine einfachen Social-Media-Verbote
  • Digitale Langzeit­archi­vierung braucht klare Regeln
  • KI-Chatbots werden Teil der wissenschaftlichen Informationssuche
  • Offene Infrastrukturen für
    wissenschaftliche Informationssysteme
  • Warum die Debatte über KI-Texte
    zu kurz greift
  • Lesen als Grundlage
    demokratischer Resilienz
  • Erfundene Quellen
  • US-Bibliotheken neue Lieferwege
  • Warum Hardcover mehr sind
    als schöne Schutzumschläge
  • Lesen auf Papier oder auf dem Bildschirm?
  • Bibliotheksverbände fordern neue
    E-Book-Modelle von großen Verlagen
u.v.m.
  fachbuchjournal
2009 bis 2023

Historische Pfarrbibliotheken Sachsen-Anhalts
werden digital erschlossen

Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert die Erfassung
von über 23.000 historischen Drucken und Handschriften

Zum 1. Juli 2026 startet die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) in Kooperation mit der Staatsbibliothek zu Berlin an verschiedenen Standorten mit der Online-Katalogisierung von 17 historischen Pfarrbibliotheken zwischen Salzwedel und Zeitz. Insgesamt werden mehr als 23.000 Titel online katalogisiert werden. In den nationalen Verzeichnissen zum Nachweis aller im deutschen Sprachraum erschienenen Drucke des 16. bis 18. Jahrhunderts (VD 16, VD 17 und VD 18) werden dabei die jeweils einschlägigen Titel und Exemplare erfasst.

Anschließend werden im Digitalisierungszentrum der Staatsbibliothek 5.000 unikale Exemplare bzw. noch nicht online verfügbare Titel digitalisiert. Die Staatsbibliothek bringt dabei ihre Expertise als VD-Trägerbibliothek sowie die Erfahrung aus mehreren erfolgreich abgeschlossenen Erschließungs- und Digitalisierungsinitiativen zu kirchlichen Bibliotheken in das Vorhaben ein und übernimmt darüber hinaus die dauerhafte Bereitstellung und Langzeitarchivierung der Digitalisate.

Ziel ist die Nutzbarmachung oft wenig bekannter und schwer zugänglicher Bücher aus der Zeit vom späten Mittelalter bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts für die überregionale historische Forschung und die interessierte Öffentlichkeit gerade auch in der Region. Die 17 ins Projekt aufgenommenen Buchbestände wurden aus einer Vielzahl mitteldeutscher Kirchenbibliotheken wegen ihrer besonderen Zusammensetzung und Überlieferungsgeschichte gezielt ausgewählt.

Zu den herausragenden Objekten im Projekt zählen mittelalterliche Handschriften, Wiegendrucke, Flugblätter, Leichenpredigten, Noten und frühe Zeitungen. Die umfangreichste der ausgewählten Sammlungen ist die Bibliothek von St. Michaelis in Zeitz, deren Entstehung in die Zeit vor der Reformation zurückreicht. Sie verwahrt eines von weltweit nur drei erhaltenen Exemplaren des Plakatdrucks der 95 Thesen Martin Luthers von 1517.

Der Präsident des Landeskirchenamtes Jan Lemke betont die Bedeutung dieses DFG-Projekts: „Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland ist Kernland der Reformation. Auch die große Zahl historischer Buchbestände in ihren Kirchengemeinden zeigen das und belegen die Identität einer Kirche des Wortes. Gerade der evangelischen Kirche liefern diese bedeutenden Bestände wichtige Argumente zur eigenen Identität in Zeiten rasanter Veränderungen zwischen Wertestabilität und Ressourcenverlust. In solchen Umbruchsprozessen ist die gemeinsame schriftliche Überlieferung zu sichern und der zunehmend säkularen Gesellschaft nahezubringen. Dazu weisen Kooperationsprojekte wie dieses zwischen der EKM und der Staatsbibliothek zu Berlin einen nachhaltigen und attraktiven Weg.“

Der Generaldirektor der Staatsbibliothek zu Berlin Achim Bonte erläutert: „Dieses Projekt verbindet die Bewahrung kulturellen Erbes mit dessen zeitgemäßer Zugänglichkeit. Gemeinsam mit der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland erschließen wir bedeutende historische Buchbestände, machen sie digital verfügbar und sichern sie für kommende Generationen. So werden wertvolle Quellen aus Mitteldeutschland ortsungebunden sichtbar und zugleich in ihrer Herkunftsregion neu erfahrbar.“

Die Projektleiterin der EKM am Standort Magdeburg, Margit Scholz, ergänzt: „Den beteiligten Kirchengemeinden ist ausdrücklich dafür zu danken, dass sie sich im Rahmen dieses Projekts für eine zeitgemäße Betreuung und Sicherung ihres kulturellen Erbes engagieren.“

Ermöglicht wird das dreijährige Projekt durch eine Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) im Umfang von insgesamt knapp 1,3 Millionen Euro für beide Projektpartner. Finanziert werden u. a. drei bibliothekarische Stellen an den Standorten Berlin, Salzwedel und Zeitz.

Das Vorhaben, das von Archiv und Bibliothek der EKM am Standort Magdeburg koordiniert wird, schließt an frühere DFG-Projekte zur Erschließung bedeutender Kirchenbibliotheken in Halle (Marienbibliothek) und Erfurt (Bibliothek des Ev. Ministeriums im Augustinerkloster) an, die in den letzten Jahren von der Universitäts- und Landesbibliothek Halle sowie der Forschungsbibliothek Gotha der Universität Erfurt in Kooperation mit der Landeskirche beantragt wurden. Der dezentrale Zuschnitt des jetzigen Projekts mit dem besonderen Schwerpunkt auf der Ermittlung der jeweiligen Sammlungsgeschichte stellt in dieser Form jedoch ein Novum dar.

www.staatsbibliothek-berlin.de