16. November 2018

b.i.t.online   1 / 2018
Fachbeiträge

Die Transformation des Publikationssystems zu Open Access
und die Konsequenzen für Bibliotheken und Wissenschaft: Ausgewählte Aspekte

Rafael Ball
Die Transformation des wissenschaftlichen Publizierens ist in vollem Gange und die Umstellung der Geschäftsmodelle vom Lizensierungs- und Subskriptionsmodell auf ein autorenfinanziertes Modell läuft geradezu mit Vollgas. Die eigentlichen Ursachen für diesen Prozess sind zum einen die Zeitschriftenpreise und deren Anstieg in den letzten 10 - 15 Jahren und zum anderen die Idee, dass wissenschaftliche Ergebnisse, die mit öffentlichen Geldern finanziert werden, auch der Öffentlichkeit frei zugänglich sein sollten.
     Bibliotheken spielen in dieser Situation eine besondere Rolle. Einerseits sind sie besonders stark von der Zeitschriftenkrise betroffen (schließlich waren sie es, die die hohen Abonnementspreise nicht mehr bezahlen konnten) und beteiligen sich nun auffallend aktiv am Transformationsprozess des wissenschaftlichen Publikationssystems, andererseits brechen ihnen mit dem Wegfall der Vermittlung, Erschließung, Bereitstellung und Archivierung von Bezahlinformation ganze Geschäftsbereiche weg. Es steht sogar zu befürchten, dass sie sich damit einen wichtigen
Ast ihrer eigenen Existenz abschneiden. So sind die Funktionen als Vermittler zwischen Angebot und Nachfrage oder die Organisation und das Management der Paywall (Preis- / Leistungsverhandlungen) fast unwiederbringlich verloren. Die Informationen sind dann am Ende der Transformation für alle im Internet frei und kostenlos zugänglich, eine qualitative Auswahl der Literatur entsprechend dem wissenschaftlichen Schwerpunkt der jeweiligen Universität überflüssig (Bestandsaufbau) und eine Katalogisierung sinnlos. Gleichzeitig erreicht das gesamte Informationsmanagement der Scientific Community eine Komplexität, die kaum noch zu überblicken ist: Kostenpflichtige Informationen stehen neben frei zugänglicher Literatur zur Verfügung, gedruckte neben elektronischen, lizenzbasierte neben APC-finanzierten.
     Der Beitrag gibt einen kurzen Überblick über ausgewählte, bislang wenig beachtete und diskutierte Argumente und mahnt zu einer besonnenen Vorgehensweise unter Berücksichtigung aller Stakeholder in diesem Prozess.

Datenschutzrechtliche Fragen bei der Einführung der Bibliothekssoftware Alma

Christian Hänger und Marion von Francken-Welz
Die Universitätsbibliothek Mannheim hat mit Hilfe der Zentralen Datenschutzstelle der baden-württembergischen Universitäten (ZENDAS) die datenschutzrechtlichen Bestimmungen ihres Abonnement-Lizenz- und Supportvertrags mit Ex Libris für die Software Alma formuliert.
     Im vorliegenden Beitrag werden die datenschutzrechtlichen Fragestellungen bei der Ausgestaltung des Vertragsverhältnisses mit dem Unternehmen Ex Libris (Deutschland) GmbH und dem Unterauftragsdatenverarbeiter Ex Libris Ltd. (Israel) dargelegt.
     Die erarbeiteten Lösungen können grosso modo auch den Alma-Kunden in anderen Bundesländern und den Anwendern der
cloudbasierten Softwaresysteme anderer Anbieter als Orientierung dienen.
     The Zentrale Datenschutzstelle der baden-württembergischen Universitäten (ZENDAS) gave Mannheim University Library advise in drafting the privacy issues of the Ex Libris Alma subscription, services and support agreement. In this paper we explain the privacy questions in drafting the contract with the company Ex Libris (Germany) GmbH and the subcontractor Ex Libris Ltd. (Israel). The developed solutions could be used as a blueprint for future Alma customers in other federal states or for cloud based systems from other companies.)

Ok Google ... The End of Search as we know it – Sprachgesteuerte Websuche im Test

Sebastian Sünkler, Friederike Kerkmann und Sebastian Schultheiß
Sprachsteuerungssysteme, die den Nutzer auf Zuruf unterstützen, werden im Zuge der Verbreitung von Smartphones und Lautsprechersystemen wie Amazon Echo oder Google Home zunehmend populär.
     Eine der zentralen Anwendungen dabei stellt die Suche in Websuchmaschinen dar. Wie aber funktioniert „googlen”, wenn der Nutzer seine Suchanfrage nicht schreibt, sondern spricht?
     Dieser Frage ist ein Projektteam der HAW Hamburg nachgegangen und hat im Auftrag der Deutschen Telekom untersucht, wie effektiv, effizient und zufriedenstellend Google Now, Apple Siri, Microsoft Cortana sowie das Amazon Fire OS arbeiten. Ermittelt wurden Stärken und Schwächen der Systeme sowie Erfolgskriterien für eine hohe Gebrauchstauglichkeit. Diese Erkenntnisse mündeten in dem Prototyp einer optimalen
Voice Web Search.
     Voice control systems that support the user on call are becoming increasingly popular since smartphones and smart speaker such as Amazon Echo and Google Home have been launched. One of the most popular application is searching in web search engines.
     But how does „googlen” work if the user does not write his search query, but gives voice commands instead?
     This question has been investigated by a project team of HAW Hamburg on behalf of Deutsche Telekom. They analyzed how effective, efficient and satisfying Google Now, Apple Siri, Microsoft Cortana and the Amazon Fire OS work. Strengths and weaknesses as well as success criteria for a high degree of usability were determined. These findings resulted in a prototype of an optimal Voice Web Search.