24. Juli 2021

Digitale Arbeitsmethoden diesseits und jenseits von Corona

Bericht über die 10. Fachtagung des Schweitzer Forums: Digitale Bibliotheken,
veranstaltet von Schweitzer Fachinformation als Webkonferenz am 10. Oktober 2020

Elgin Helen Jakisch

Das Schweitzer E-Book-Forum hat sich für seine zehnte Jahresveranstaltung in Folge einen neuen Titel gegeben – das Schweitzer Forum: Digitale Bibliotheken. Damit will man auf den „Wandel von Bibliotheken zu smarten Dienstleistern reagieren, die alle Formen von Medien nutzen“, hieß es in der Ankündigung. Im neuen Titel erweitert sich nun das ohnehin breit aufgestellte inhaltliche Spektrum der Veranstaltung. Man will sich auf „Kundenfragen fokussieren, die alle umtreiben“, so Thomas Dohme von Schweitzer Fachinformation in seiner Anmoderation. Gemeinsam mit seinem Kollegen Torsten Andrich führte er durch das Programm.

© Schweitzer Fachinformation
Die Moderatoren Torsten Andrich (l.) und Thomas Dohme von Schweitzer Fachinformation

Corona lenkt den Blick auf dringend erforderliche Anpassungen im Digitalen. Was seit dem ersten Lockdown in dieser Hinsicht öffentlich diskutiert wird, sei es das Schritthalten im Homeoffice oder die Kollaboration per Videokonferenz, trifft auch die Bibliothekswelt. Die Organisatoren des Schweitzer Forums hatten ein Programm konzipiert, welches Lösungsansätze für das Vorankommen der Digitalisierung in der Bibliotheksbranche aufzeigte. Die Konferenz fand pandemiebedingt erstmalig ausschließlich im Netz als GoTo- Meeting statt.

Sechs aktuelle Vorträge zu unterschiedlichen, richtungsweisenden digitalen Projekten und Arbeitsmethoden, die über die Zeit von Corona vermutlich hinausreichen werden, standen auf der Agenda: vom Erwerbungsprozess, zu Smart Libraries, Open-Access-Publishing-Projekten bis hin zu praktischen Tipps für das Gelingen digitaler Zusammenarbeit in Onlinekonferenzen.

Digitale Arbeitsprozesse in der Erwerbung

Gleich zu Beginn ging es um konkrete Erfahrungen der Technischen Informationsbibliothek (TIB Hannover) – Bibliothek des Jahres 2020 – mit dem Lockdown. Dr. Andreas Lütjen, Leiter der Erwerbung und Katalogisierung im Bereich Bestandsentwicklung und Metadaten der TIB begann mit den unmittelbaren Auswirkungen des ersten Lockdowns und seiner Folgen für die internen Arbeitsprozesse in der Erwerbungsabteilung der technischen Informationsbibliothek. Er hatte seinen Vortrag „E-only statt e-preferred: Segen oder Fluch der COVID-19-Pandemie in der Erwerbung“ genannt und umriss damit klar, dass Krisen zum Umdenken und Verändern zwingen und gleichzeitig Entwicklungen anstoßen, die längerfristigen Nutzen bringen. Wie andere Bibliotheken hatte sich auch die TIB stärker mit elektronischen Angeboten auseinander zu setzen und nach Schließung der Lesesäle im März das Angebot entsprechend erweitert.

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In der Ausgabe 4/2021 (Juni 2021) lesen Sie u.a.:

  • Zum Nutzen von Big Deals
  • Verändert sich der Publikationsprozess bei den Megajournals?
  • Neue Ansätze zur Informations­kompetenzvermittlung
  • Außen- und Selbstwahrnehmung von Bibliothekarinnen und Bibliothekaren als wichtiges Steuerungsinstrument
  • Die Folgen des Wissenschaftstracking – unbekannt, aber nicht ungefährlich
  • Best Practices für den Umgang mit dem Coronavirus in Bibliotheken
u.v.m.

 

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Ausgabe 3 / 2021

IM FOKUS
Über das Sterben reden

  • Dr. Henning Scherf im Gespräch
  • Eine Buchauswahl zum Thema

LANDESKUNDE
Indien: Geschichte und Gegenwart

KUNST | BIOGRAFIEN
Malerinnen: Talent ist keine Frage des Geschlechts

BETRIEBSWIRTSCHAFT
„Leadership“ ist hip

RECHT
Steuerrecht | Umwelt- und Planungsrecht | Kommentare zum Bürgerlichen Recht | Strafrecht | Juristendeutsch? | Rechtsgeschichten

uvm

Jedoch stand je nach Lizenz „nicht alles allen zur Verfügung“. Lütjen erklärte, dass die TIB sowohl Universitätsbibliothek für die Leibniz-Universität Hannover als auch Leibniz-Informationszentrum für Technik und Naturwissenschaften ist und somit eine Doppelaufgabe bewältigen müsse. Neben der lokalen Literaturversorgung der Hochschule musste auch die überregionale Versorgung als deutsche Fachbibliothek gewährleistet werden. Ein Zusatzangebot an digitalen Medien sei hier jedoch keine Option gewesen, da eine Fernleihe für digitale Medien nach wie vor nicht möglich ist, so Lütjen. Man erfuhr weiter, dass die Erwerbung der TIB nach dem Prinzip „e-preferred“ arbeitet, das heißt, keine Parallelausgaben in gedruckter Form angeschafft werden, und digitale Ausgaben entsprechend einem angemessenen Preis-Nutzungs-Verhältnis bevorzugt werden müssen. Während des Lockdowns stieg der Etat für E-Medien um das Zweieinhalbfache. „Nur auf elektronische Ausgaben zu setzen ist schwierig, weil digitale Ausgaben erheblich teurer sind als parallele Printexemplare und nicht alle Fächer gleichermaßen gut damit ausgestattet sind“, wandte er ein.

Der Referent berichtete weiter von der Situation der Beschäftigten seit dem ersten Lockdown im März. Teils waren diese in einer guten Ausgangslage, weil Arbeiten im Homeoffice an sich schon etabliert war, „jedoch nicht in der Masse und nicht in einem gleichzeitigen Modus“, so Lütjen. Nicht jeder hatte ein mobiles Endgerät oder entsprechendes Equipment zu Hause. Ein Problem stellte die im März noch analoge Rechnungsbearbeitung dar, die sich entsprechend angestaut hatte während des Lockdowns. Die TIB hat dann einen digitalen Prozess eingeführt, der „den Workflow noch nicht lückenlos digital abbildet und noch in einer Art Notlösungsmodus steckt“, erklärte Lütjen, „eine so dramatische Umstellung aufs Digitale verursacht eine Fülle an Arbeit.“ Dennoch konnte der Referent auch Vorteile der Notsituation benennen und Positives aus der Situation ziehen, auch wenn sich, wie er befand, dadurch Defizite im Grad der Digitalisierung sehr deutlich gezeigt hätten. „Modernisierungsprozesse sind beschleunigt worden, die sonst länger gedauert hätten“, bilanzierte er.

Eher negativ schätzte Lütjen die komplette Abhängigkeit von digitalen Medien ein. E-only schränke Wahlmöglichkeiten ein. Lizenzbedingungen hielten nicht mit Nutzungswünschen stand. Unterschiedliche Fachkulturen seien bisher nicht berücksichtigt. Die Kommunikation mit Verlagen und Providern erhöhe sich, denn unterschiedliche Vertragsverhältnisse ziehen unterschiedliche Prozesse nach sich, und nicht alle Publikationsinhalte oder Lernplattformen ständen je nach Vertrag dauerhaft zur Verfügung. Positiv bewertete er, dass sich ein neues virtuelles Arbeiten etabliert habe und die Mitarbeitenden nun besser für weitere Lockdowns gerüstet seien. Lütjen wünschte sich klarere Erwerbungsvorgaben, ein besseres Controlling, neue Kennzahlen für künftige Erwerbungsentscheidungen und unabhängig davon einen Ausbau von Open Access.

Kommen Smart Libraries besser durch eine Pandemie?

Im zweiten Vortrag erläuterten Linda Freyberg (Dozentin an der FH-Potsdam und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Naturkundemuseum Berlin) und Sabine Wolf (Sachgebietsleiterin für Aus- und Weiterbildung an der Stadtbibliothek Berlin Mitte) das ganzheitliche Prinzip der Smart Libraries und Methoden für die Gestaltung einer Bibliothek der Zukunft. Basierend auf ihrem 2019 beim b.i.t.verlag herausgegebenen Sammelband „Smart Libraries – Konzepte, Methoden und Strategien“1 ging es dabei um die Einbeziehung neuer Technologie- und Methodentrends, die nach und nach in die breite Anwendung kommen. Diese könnten Umdenk- und Umstrukturierungsprozesse unterstützen, wie beispielsweise eine flexible Raumgestaltung für verschiedene Nutzungsformate, Partizipationsformate mit externen und internen Partnern einer Bibliothek und eine „smarte“ Denk- und Arbeitsweise für ein agiles Arbeiten. Eine Mitbestimmung externer Kooperationspartner und der Öffentlichkeit könne durch bestimmte Methoden wie Design Thinking, Brainstorming, Skizzen und andere partizipative Möglichkeiten unterstützt werden und auf diese Weise die Kundensicht einbeziehen, so Sabine Wolf. Ein Sammelband zum Schwerpunkt „Partizipation“ sei derzeit in Planung.

Da neue Technologien auch Ängste wecken können, sollte man dies bei Planungen immer berücksichtigen, so der Rat der Referentinnen. Eine Smart Library ist idealerweise in die Infrastruktur einer Stadt eingebunden. Sie berücksichtigt Umweltaspekte, Bildungsangebote, Gebäudemanagement und verortet die Bibliothek im städtischen Raum neu. Plane eine Bibliothek eine Umstrukturierung in einem Teilbereich oder insgesamt, so könnten Methoden und Konzepte der Smart Library helfen, sich weiter zu entwickeln, so Wolf. Natürlich sei die Bibliothek jetzt in der Pandemie als Ort der Partizipation „schwierig vermittelbar“, so die Referentinnen als Antwort auf eine Frage aus den Chat. Aber vielleicht biete sich eine Chance, niederschwellige Onlineangebote als Plattformen des Austauschs zu testen. Die Smart-Library-Methoden ließen sich leider nicht alle eins zu eins ins digitale übertragen, bedauerte Freyberg.

KI als „smarte“ Lösung für künftige Inhaltserschließungen

Zum Stand der Dinge bei der angewandten Forschung inhaltlicher Erschließung durch Algorithmen bei der ZBW Hamburg sowie angewandten, verfügbaren und diskutierten Methoden ging es im Vortrag von Dr. Anna Kasprzik. Als Bibliothek mit Forschungsschwerpunkt Wirtschaft war es dem Leibniz-Informationszentrum kürzlich gelungen, diesen Aufgabenbereich von der Projektebene als dauerhafte Aufgabe zu verstetigen, „weil zum einen das Literaturaufkommen und die damit verbundene Arbeit wächst und zum anderen die ZBW als Spezialbibliothek bei der Sacherschließung nicht auf so viele Fremddaten zugreifen kann, da die Literatur häufig zuerst Eingang in der ZBW findet“, begründete Kasprzik. Weil es sich bei der Verbesserung der KI-Methoden eigentlich um eine Daueraufgabe für die nächsten Jahrzehnte handelt, hat die ZBW kürzlich eine Stelle geschaffen, die jetzt in eine zweijährige Pilotphase geht, um unter anderem auch die IT und Hardware aufzurüsten. Das Projekt im Haus ist verzahnt mit der Katalogisierung, der IT-Abteilung, dem Metadatenmanagement, dem Discoverysystem und der Leitungsebene. Zur Nachnutzung sei auch der Bibliotheksverbund GBV im Boot, konnte man erfahren.

Beim Projekt Inhaltserschließung mit Hilfe von Machine-Learning geht es um Algorithmen, die basierend auf Deep-Learning-Methoden Titel und Keywords inhaltlich einordnen können (später sollen Abstracts und Texte hinzukommen). Die Algorithmen unterbreiten Verschlagwortungsvorschläge. Fachreferent/-innen prüfen und übernehmen oder korrigieren die Vorschläge. Auf diese Weise wird dem System gemeldet, wie gut, respektive genau die automatisch generierten Vorschläge sind. Das System lernt daraus und optimiert sich selbst immer weiter. „Versuche gibt es in der ZBW schon seit 2000“, erläuterte Kasprzik. In den Jahren darauf folgten verschiedene Projektansätze mit kommerziellen Methoden und schließlich eine Neuorientierung mit einer selbst entwickelten Lösung auf Open-Source-Basis. Aufbauend auf diesen Arbeiten werden die Methoden nun weiterentwickelt. Die Referentin stellte den derzeitigen Prozess vor, der auf eine Kombination assoziativer und lexikalischer Methoden aufsetzt. Man erfuhr, dass diese Methoden bisher noch nicht Eingang in die Metadaten gefunden haben: „Eine Anpassung der Metadaten global wäre hier wünschenswert“, sagte sie. „Maschinelle Erschließungen sind noch nicht im Verbund als Roboterquelle sichtbar.“ Anna Kasprzik freute sich, dass perspektivisch der Weg in eine kontinuierliche Praxis mit einer großen Offenheit für Weiterentwicklungen geebnet sei.

Nach diesem technischen Vortrag wurde das Programm durch eine Best-Practice-Session von zwei Onlinetrainern aufgelockert.

Mit Herzlichkeit und Spaß Onlinemeetings moderieren

Karina Hagemann, Mediatorin und Michael Metzger, Design-Thinking-Berater und Agile Coach, gaben Tipps und Beispiele, wie man professionell Onlinemeetings moderiert. Sie gingen von der Beobachtung aus, dass Onlinemeetings oft als anstrengend empfunden werden, weil natürliche Möglichkeiten fehlten, eine Verbindung der Teilnehmenden untereinander aufzubauen. Ganz praktisch starteten sie mit Tipps, wie man die Webcam gut einstellt, für gute Lichtverhältnisse sorgt, seine Mimik verstärkt, Blickkontakt zur Kamera hält, sich bewegt und seine Rede mit Gestik unterstreicht. Auch sollten Herzlichkeit und Spaß nicht zu kurz kommen, d.h. als Organisator/-in einer Videokonferenz könnten auch kleine Auflockerungen für Unterhaltung und Gemeinsamkeit sorgen, gerade, wenn man seine Gegenüber nicht kennt oder sie nicht sehen kann. Als Beispiel forderten sie die Zuhörenden zum Mitmachen auf, direkt in den Chat zu schreiben, welcher rote Gegenstand sich gerade auf ihrem Schreibtisch befinde. Schnell erfuhr man von Kugelschreibern, Bleistiften, Kaffeetassen und sogar einer Clownsnase, was einerseits zur allgemeinen Aufmerksamkeit und Heiterkeit beitrug und andererseits kurz das Gefühl vermittelte, man sitze nicht allein vor dem Bildschirm. Darüber hinaus machten die Referenten Vorschläge für Tools, in denen man gemeinsam arbeiten kann. Sie stellten das Miro Whiteboard vor, welches in Präsenztreffen Flipchart und Tafel digital ersetzen kann.

ENABLE! Communitybasierter Ansatz für Open-Access-Projekte

Um aktuelle Zwischenergebnisse einer Open-Access-Initiative vor allem für Monographien der Geistes- und Sozialwissenschaften ging es anschließend beim Vortrag von Dr. Karin Werner. Die Verlegerin beim transcript Verlag stellte den neuen, communitybasierten Ansatz von ENABLE! vor. Aus Sicht der Referentin verstärke die Pandemie die Krise des bestehenden Erwerbungsmodells, wo Kaufentscheidungen oftmals nicht aufgrund von Qualität sondern von Marktanforderungen getroffen werden. „DEAL2 hat daran wenig geändert“, urteilte sie und sprach die bisherigen Bemühungen der Wissenschaftsorganisationen und Verlage an, Open Access mit Hilfe der Konsortien zu etablieren. Werner vertrat die These, dass die bisherigen Erwerbsmodelle und die Paywall aufgebrochen werden müssten, da einzelne Stakeholder, vor allem im geisteswissenschaftlichen Bereich, dies nicht allein bewältigen könnten. Eine Lösung sieht sie im kooperativen Ansatz von ENABLE! AO Community. 2019 war dieser vom Nationalen Open-Access-Kontaktpunkt OA2020-DE und dem transcript Verlag ins Leben gerufen worden. „Seit diesem Jahr gibt es ein Mission Statement und eine definierte Arbeits- und Steuerungsstruktur“, berichtete Werner, „eine finale Organisationsstruktur wird noch gesucht.“ Oberstes Ziel sei, alle Stakeholder des Publikationsprozesses zu beteiligen. Die Teilnahme sei freiwillig und für alle Interessierten offen. Monographien und Sammelwerke, die für die Digital Humanities so wichtig seien, sollten gleichwertig mit Aufsätzen aus Zeitschriften der naturwissenschaftlichen und technischen Fächer gewertet werden. „Das Publizieren soll nicht mehr von einem Organisationstypus aus agieren“, begründete sie diese Initiative und meinte damit die Verlage. Sowohl das Geschäftsmodell an sich, als auch weitere Fragen den Publikationsprozess betreffend seien noch offen, aber „die Plattform ist fair und kollegial im Ansatz und mutig, Neuland zu betreten“, fasste sie zusammen. Konkret sollen Open-Access-Kosten und -Leistungen aufgeschlüsselt werden, neue Kooperationen mit Bibliotheken und Hochschulverlagen etabliert und ein Co-Publishing-Modell für mögliche Weiterverwertungen der Inhalte auf dritten Plattformen angestrebt werden. „OA braucht intermediäre Strukturen, dies ist auch eine Chance für Händler, Bibliotheken und Kunden zusammen zu bringen und neue Finanzierungsmodelle zu finden“, sagte die Verlegerin abschließend.

TIP Award: Studierende organisieren selbstständig OA-Publizieren

Um Open Access ganz praktisch ging es beim Schlussvortrag der Konferenz, der Vorstellung des Gewinners des diesjährigen TIP-Awards, des Team Award Information Professionals 2020. Der Preis, der von b.i.t.online, Schweitzer Fachinformationen, der KIBA (Konferenz der informations- und bibliothekswissenschaftlichen Ausbildungs- und Studiengänge, Sektion 7 des dbv) und der Ausbildungskommission der DGI (Deutschen Gesellschaft für Information und Wissen e.V.) jährlich vergeben wird, ging unter anderem an ein Studierendenprojekt der HAW Hamburg.3 Alisa Person und Lea Reinhold, beide Studentinnen der HAW, präsentierten stellvertretend für das Gewinnerteam das Projekt. Das praktische Studierendenprojekt bestand darin, eine Open-Access-Plattform zum Publizieren von Themen und Infomaterialien für ihre Kommilitonen zu konzipieren und zu erstellen. Aus ihrer Arbeit entsteht nun regelmäßig eine digitale Campuszeitschrift mit dem Titel „API-Magazin“ (API steht für Ausbilden, Publizieren, Informieren). In Zusammenarbeit mit der Staats- und Universitätsbibliothek (SUB) Hamburg und in Gruppenarbeit wurden die Bereiche Redaktion, Workflow und Layout aufgeteilt. Als digitales Arbeitstool wird Trello benutzt, um Ergebnisse und Protokolle zu dokumentieren. Erstveröffentlichungen in API werden begutachtet, erhalten eine ORCID-ID, eine DOI und stehen unter einer CC 4.0 SA-Lizenz. Die Studierenden haben so in einem praktischen Projekt alle Prozesse von der Einreichung über das Lektorat bis zur Produktion einer Open-Access-Zeitschrift abgebildet. Diese soll bis 2023 laufen. Sie wird aus dem Digitalisierungsfonds der HAW Hamburg finanziert. Auf eine Frage aus dem Chat antworteten die Studentinnen, die größte Herausforderung hätte darin bestanden, ein Team von 12 Personen einzuteilen und feste Zuständigkeiten zu finden.

Neue Methoden im Trend

Die Pandemie hat sicher für jeden Einzelnen und viele Bereiche im Bibliothekswesen den Blick geschärft, wo man in Sachen Digitalisierung jetzt weiter dran bleiben muss, und wo Veränderungen über Corona hinaus sinnvoll sind. Das große Interesse an der Veranstaltung mit 350 Anmeldungen zeigt das Bedürfnis, mit der Dynamik Schritt zu halten und sich jetzt, da die Defizite der Digitalisierung durch Corona plötzlich deutlicher zutage treten, mit Lösungen intensiver zu beschäftigen als zuvor. Deshalb war auch der inhaltliche Ansatz des Schweitzer Forums gelungen, sechs verschiedene, aber in ihrer Vision aktuelle und vorausschauende Aspekte für zielführende Methoden und künftige Initiativen in dieser Tagung zusammen zu bringen und dabei mit einer ersten digitalen Ausrichtung der Veranstaltung entsprechende Erfahrungen gleich selbst zu sammeln.

Weitere Informationen zum Programm und Aufzeichnungen einiger Vorträge sind zu finden unter:
https://www.schweitzer-online.de/info/Schweitzer-Forum-Digitale-Bibliotheken-2020/


Fußnoten

1. Siehe auch https://www.b-i-t-online.de/daten/bitinnovativ.php

2. https://www.projekt-deal.de/

3. Vgl. hierzu https://www.b-i-t-online.de/daten/TIP_Award_Gewinner_2020.pdf

Elgin Helen Jakisch, Berlin
jakisch@ub-interim.de