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20. April 2026
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In der Ausgabe 03/2026 (April 2026) lesen Sie u.a.:

  • Nationales Kultur­erbe unter Druck: Der Stopp des DNB-Erweiterungsbaus und seine Folgen
  • Entwicklungen im Medienalltag
  • Vom Datenhype zur Datenkompetenz: Warum Data Literacy zur Kernaufgabe
    von Bibliotheken wird
  • Warum Bibliotheken bei KI, Lizenzen
    und Fair Use mitreden müssen
  • Entwicklungen für die Zukunft
    von Bibliotheken
  • Forschungsdaten als Publikationsform
  • Wie Forschende mit KI-gestützten Recherchetools arbeiten
  • KI-Erschöpfung und „Vocational Awe“
    in wissenschaftlichen Bibliotheken
  • Aufmerksamkeitskrise oder Designproblem? Was Bibliotheken aus der Debatte über Lesen und Bildschirme lernen können
  • Die Stiftsbibliothek St. Gallen:
    Ein 1.300 Jahre altes Wissensarchiv
  • Bibliotheken als Räume für Wohlbefinden
    im Gesundheitswesen
  • Das Ende eines Formats: Der Niedergang des Massenmarkt-Paperbacks
u.v.m.
  fachbuchjournal
2009 bis 2023

Dr. Gerhard Römer verstorben

In den Jahren 1979-1993 leitete Dr. Gerhard Römer die Badische Landesbibliothek in Karlsruhe. Am 19. März 2015 ist er im Alter von 86 Jahren verstorben. Als engagierter Bibliotheksdirektor, der sein Haus konsequent auf die Bedürfnisse seiner Nutzer hin orientierte und es zugleich als lebendige Kultureinrichtung zu profilieren verstand, bleibt er in dankbarer Erinnerung.

Am 12. Juli 1928 in Konstanz geboren und in Bad Säckingen aufgewachsen, hatte Römer ab 1948 in Freiburg und Innsbruck Philosophie und Theologie studiert und dann zunächst eine kirchliche Laufbahn eingeschlagen. 1956 wurde er mit einer liturgiegeschichtlichen Arbeit promoviert. Ab 1958 war er als Dozent für Praktische Theologie am Priesterseminar des Erzbistums Freiburg in St. Peter im Schwarzwald tätig, dessen stellvertretender Leiter er ab 1961 war. 1967 wechselte Römer in den Staatsdienst und absolvierte die Ausbildung für den höheren Bibliotheksdienst an der Württembergischen Landesbibliothek in Stuttgart. Dort arbeitete er dann bis 1979 als Fachreferent für Theologie und Religionswissenschaften, als Chef des Lesesaals, als Baureferent und Ausbildungsleiter. 1973 übernahm er die Leitung der bei der Württembergischen Landesbibliothek neu eingerichteten Bibliotheksschule, an der er seine früheren beruflichen Erfahrungen als Ausbilder sehr gewinnbringend nutzen konnte. Das Fördern junger Kolleginnen und Kollegen lag ihm während seiner gesamten Bibliothekslaufbahn sehr am Herzen.

Im Februar 1979 wechselte Gerhard Römer als Direktor an die BLB, die er dann vierzehn Jahre lang bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand leitete. Sein unbedingter Wille zur Kooperation mit den Kultur- und Bildungseinrichtungen der Region, seine Bereitschaft zur uneigennützigen Unterstützung anderer Stätten der Buchkultur wie etwa des Melanchthonhauses in Bretten und seine vielfältigen Initiativen in dieser Richtung haben sein Haus vorwärts gebracht und dessen Rolle als Kulturzentrum am Oberrhein gestärkt.

Ein Hauptaugenmerk Römers lag auf der aktiven Kulturarbeit der BLB. Den historischen Buchbeständen, dem in seinem Haus verwahrten Kulturerbe Europas galt seine besondere Neigung – und die machte er zugleich für die Öffentlichkeit fruchtbar. Zahlreiche auch international beachtete und nach auswärts wandernde Ausstellungen wurden ausgerichtet, oft kooperativ und grenzüberschreitend mit anderen Kultureinrichtungen erarbeitet, immer begleitet von exzellenten Katalogen, deren Erscheinen zumeist tatkräftig gefördert wurde durch die Badische Bibliotheksgesellschaft, die ihm ein wichtiger und hilfreicher Partner war.

Römers aufwändigstes Unternehmen war die Errichtung des Bibliotheksneubaus an der Erbprinzenstraße, der ihn über seine ganze Amtszeit hinweg von der Planung bis zur Fertigstellung beschäftigte. Aus einem 1979 auf den Weg gebrachten Ideenwettbewerb für den Neubau ging der Kölner Architekt Oswald Mathias Ungers als Sieger hervor. Sein Entwurf überzeugte vor allem hinsichtlich der Bezugnahme auf den historischen Stadtgrundriss und auf die vorhandene Bausubstanz der Umgebung. Mit Ungers gemeinsam verwirklichte Römer in den kommenden zwölf Jahren Bauzeit diesen Entwurf. Im Dialog mit dem Architekten die funktionalen Anforderungen einer nutzungsintensiven Gebrauchsbibliothek durchzusetzen, blieb dabei immer eine besondere Herausforderung. Das 1991 fertiggestellte Gebäude bot schließlich mit 14.000 qm Hauptnutzfläche ausreichend Platz für die vielfältigen Dienstleistungen einer modernen Universalbibliothek.

In Römers Amtszeit fiel auch die Einführung der elektronischen Datenverarbeitung an der Badischen Landesbibliothek. 1982 wurde das erste elektronische Ausleihsystem in Dienst genommen. Mit der fortschreitenden Automatisierung gelang es, den schnell wachsenden Benutzerandrang der achtziger Jahre gut zu bewältigen. Der Neubau brachte dann auch die freie Zugänglichkeit der aktuellen Buchbestände und Arbeitsplätze für Hunderte Benutzer. Und ganz selbstverständlich integrierte Römer die neuen Medien in den Bibliotheksbestand, auch eine damals hochmoderne Mediothek war Teil des Bibliotheksneubaus.

Als aufgeschlossener Bibliotheksdirektor mit Weitblick und Ausdauer, mit Durchsetzungsvermögen, aber auch Kompromissbereitschaft genoss Römer hohes Ansehen in der Fachwelt, aber auch in der Landespolitik. An seine besondere Liebenswürdigkeit und Warmherzigkeit erinnern sich viele. Seine gewinnende und wertschätzende Art im Umgang mit Kollegen und Mitarbeitern erwarb ihm großen Respekt.

Nach seiner Pensionierung lebte Gerhard Römer in Horben im Südschwarzwald. Seine Bibliothek hat er nur aus der Ferne noch, dafür aber mit großem Wohlwollen begleitet.

www.blb-karlsruhe.de