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3. Mai 2026
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In der Ausgabe 03/2026 (April 2026) lesen Sie u.a.:

  • Nationales Kultur­erbe unter Druck: Der Stopp des DNB-Erweiterungsbaus und seine Folgen
  • Entwicklungen im Medienalltag
  • Vom Datenhype zur Datenkompetenz: Warum Data Literacy zur Kernaufgabe
    von Bibliotheken wird
  • Warum Bibliotheken bei KI, Lizenzen
    und Fair Use mitreden müssen
  • Entwicklungen für die Zukunft
    von Bibliotheken
  • Forschungsdaten als Publikationsform
  • Wie Forschende mit KI-gestützten Recherchetools arbeiten
  • KI-Erschöpfung und „Vocational Awe“
    in wissenschaftlichen Bibliotheken
  • Aufmerksamkeitskrise oder Designproblem? Was Bibliotheken aus der Debatte über Lesen und Bildschirme lernen können
  • Die Stiftsbibliothek St. Gallen:
    Ein 1.300 Jahre altes Wissensarchiv
  • Bibliotheken als Räume für Wohlbefinden
    im Gesundheitswesen
  • Das Ende eines Formats: Der Niedergang des Massenmarkt-Paperbacks
u.v.m.
  fachbuchjournal
2009 bis 2023

Stabiler Buchmarkt – große Aufgaben:
Verlage und Buchhandlungen stellen sich selbstbewusst dem Wandel

Zahl der Buchkäufer um 300.000 gestiegen / EU-Urheberrechtsreform: Autoren und Verlage benötigen faire Vergütung

Verlage und Buchhandlungen gehen selbstbewusst ins Bücherjahr 2019. Eine positive Marktentwicklung im Rücken setzen sie sich für drängende Themen in Branche, Politik und Gesellschaft ein. „Menschen schätzen das Buch, das ihnen gesicherte Information, Denkanstöße und neue Blickwinkel auf die Welt bietet. Das ist unser Ansporn. Verlage und Buchhandlungen erproben neue Wege zum Kunden – und das mit Erfolg“, sagte Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels heute zum Auftakt der Leipziger Buchmesse.

Verlage und Buchhandlungen verzeichnen mit ihrem Geschäft wieder ein leichtes Wachstum. Die Zahl der Buchkäufer ist nach den Rückgängen der letzten Jahre erstmals seit 2012 wieder gestiegen. Laut GfK gab es im Jahr 2018 300.000 Menschen mehr als im Vorjahr, die Bücher gekauft haben, das entspricht einem Zuwachs von 1 Prozent (Publikumsmarkt, ohne Schul- und Fachbücher). Der Buchhandel (stationär und online zusammen) konnte seinen Umsatz im Vergleich zu 2017 halten (+0,1 Prozent, Quelle: Media Control). Auch der Start ins Jahr 2019 verlief positiv: Nach zwei Monaten liegt der Umsatz laut Media Control in den zentralen Vertriebswegen bei +4,5 Prozent, die Zahl verkaufter Bücher stieg um 2 Prozent.

Alexander Skipis: „Die Ergebnisse unserer Studie ‚Buchkäufer – quo vadis?‘ im vergangenen Jahr haben viel Bewegung in die Branche gebracht. Die große Zahl an Käuferinnen und Käufern, die wir trotz großer Medienkonkurrenz zurückgewinnen konnten, zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Wir können Menschen für das Lesen begeistern, wenn es uns gelingt, das Buch wieder stärker ins Bewusstsein und in den Alltag der Menschen zu bringen.“

Derzeit beschäftige die Insolvenz der KNV Gruppe die gesamte Branche. „KNV ist ein wichtiger Akteur der Buchlogistik in Deutschland, die mit ihrer filigranen und effizienten Struktur weltweit vorbildlich ist. Der Geschäftsbetrieb läuft derzeit normal weiter, für Kundinnen und Kunden gibt es keine Einschränkungen. Die Solidarität und der Unterstützungswille bei Verlagen und Buchhandlungen sind groß. Der vorläufige Insolvenzverwalter hat ein gutes Gespür für die Notwendigkeiten der Branche und die Bedeutung von KNV für die Buchlogistik. Wir sind optimistisch, dass in den kommenden Monaten Lösungen gefunden werden können, um dieses für die Branche höchst relevante Unternehmen zu erhalten“, sagte Alexander Skipis.

Faires und modernes Urheberrecht auf EU-Ebene benötigt

Um auch zukünftig ein vielfältiges und qualitativ hochwertiges Buchangebot gewährleisten zu können, seien Verlage und Buchhandlungen auch auf die Unterstützung der Politik angewiesen. Für die Buchbranche sei es daher von größter Bedeutung, dass das Europäische Parlament in der kommenden Woche die Urheberrechtsreform beschließe. Skipis: „Die Buch- und Kreativbranche braucht dringend ein faires Urheberrecht, das an die Anforderungen der digitalen Gesellschaft angepasst ist. Die Reform schützt die Rechte von Künstlern, Autoren und Verlagen gegenüber großen kommerziellen Plattformen. Momentan sind es Facebook, Google und Co., die auf dem Rücken der Urheber und Verlage Milliarden an Einnahmen einstreichen. Wenn geistiges Eigentum nun stärker geschützt werden soll, hat das nichts mit Zensur zu tun, wie gerade vielerorts fälschlicherweise behauptet wird. Im Gegenteil: Wer die Kreativen stärkt, fördert auch neue Impulse für die Meinungsvielfalt und für die öffentliche Debatte.“

Leseförderung: Bildungspolitik muss endlich handeln

Einen dringenden Appell richtet der Börsenverein an die Bildungspolitik: „Deutschland braucht eine wirksame und übergreifende Strategie zur Leseförderung. Es ist dramatisch, wenn laut der IGLU-Studie ein Fünftel der Zehnjährigen in Deutschland nicht richtig lesen kann. Lesekompetenz ist nicht nur grundlegend für die persönlichen Entwicklungschancen, sondern auch Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe und damit für den gelingenden Meinungsbildungsprozess in einer Demokratie“, sagt Skipis. Vor drei Monaten hat der Börsenverein zusammen mit der Kinderbuchautorin Kirsten Boie und dem PEN-Zentrum Deutschland die „Hamburger Erklärung für bessere Leseförderung“ mit über 117.000 Unterzeichnern an Bundesministerin für Bildung und Forschung Anja Karliczek und den damaligen Präsidenten der Kultusministerkonferenz Hartmut Holter übergeben. „Bis heute haben wir von der Politik keine konkreten Antworten erhalten. Wir fordern die Bildungspolitiker in Bund und Ländern mit Nachdruck auf, eine bundesweite Strategie zur Entwicklung der Lesekompetenz aufzusetzen“, sagte Skipis.

Für ein demokratisches und solidarisches Europa

Im Jahr der Europawahl und des nahenden Brexit tritt die Buch- und Kulturbranche für ein starkes Europa ein: „Buchhandlungen und Verlage möchten einen wesentlichen Beitrag zum Gelingen einer freien und vielfältigen Gesellschaft in einem demokratischen und solidarischen Europa leisten. In vielen Ländern stellen nationalistische und populistische Strömungen das vereinte Europa in Frage und wollen sich abschotten. Die gesamte Zivilgesellschaft ist aufgefordert, sich für unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung und Solidarität in Europa einzusetzen. Wir sollten nicht denjenigen die Stimme überlassen, die Europa mit seinen Errungenschaften und damit letztlich unsere Freiheiten und unsere Demokratie abschaffen wollen.“

Ein zentraler demokratischer Wert für die Buchbranche sei die Meinungs- und Publikationsfreiheit. Skipis: „Es ist erschreckend, wie schnell sich die Öffentlichkeit an den dramatischen Zustand der Meinungsfreiheit auf der Welt gewöhnt. In vielen Ländern werden Autoren, Journalisten, Verleger und Buchhändler drangsaliert, verfolgt oder inhaftiert. Die öffentliche Aufmerksamkeit für solche Fälle hält meist nicht lange an. Wir dürfen diese Menschen nicht vergessen und müssen uns täglich für die Freiheit des Wortes einsetzen. Sie ist Grundlage unserer Demokratie und unserer Arbeit als Branche.“

Wenn Staaten die Meinungsfreiheit einschränken, müsse das auch Auswirkungen auf die deutsche Außenpolitik haben: „Am willkürlichen Umgang der türkischen Behörden mit dem Verleger und Kulturmäzen Osman Kavala zeigt sich, dass die Türkei kein Jota von ihrem vehementen Kurs abgewichen ist und die Meinungsfreiheit weiterhin schonungslos unterdrückt“, so Skipis. Kavala wurde 2017 ohne Nennung von Gründen festgenommen, die Staatsanwaltschaft fordert lebenslange Haft unter erschwerten Bedingungen, weil er angeblich die Gezi-Proteste 2013 finanziert haben soll. „Der Blogger Raif Badawi sitzt seit sieben Jahren in Saudi Arabien in Haft – ein Land, in das Deutschland vielleicht schon ab April wieder Waffen liefert. Von Verleger und Buchhändler Gui Minhai, der in China festgehalten wird, fehlt weiterhin jede Spur. Wir fordern die Bundesregierung auf, deutliche Worte gegenüber solchen Ländern zu finden und das Einhalten von Menschen- und Freiheitsrechten konsequent einzufordern“, sagte Skipis.