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13. Mai 2026
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  • Erfundene Quellen – wie KI-Zitationen die Wissenschaft unter Druck setzen
  • Zwischen Bildschirmzeit, Stress und Lernverlust
  • Warum Bibliotheken im Zeitalter von KI wichtiger werden und mit einem Vertrauensparadox zu kämpfen haben
  • Schweden setzt in Schulen wieder auf Bücher
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  • Open Access bringt Vorteile, aber nicht in jedem Fach auf die gleiche Weise
  • Was ChatGPT und Ghostwriting über Autorschaft verraten
  • Warum E-Books in US-Schulen zur Kostenfrage werden
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2009 bis 2023

Bildarchiv zu ehemaligen deutschen Kolonien wird mit KI erschlossen

Neues Projekt „Visual Analytics für Bilder aus Kolonialen Kontexten“ (VABiKo) ist gestartet: eine DFG-finanzierte Kooperation der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main und der Philipps-Universität Marburg.

FRANKFURT. Das zentrale historische Bildarchiv der deutschen kolonialen und kolonialrevisionistischen Bewegungen ist einer der größten fotografischen Bestände dieser Art und spielt eine wichtige Rolle in der Aufarbeitung der deutschen Kolonialgeschichte. Dieses Bildarchiv wird jetzt durch automatisierte Bildanalyseverfahren und Deep-Learning-Methoden in einem öffentlichen Internetportal zugänglich gemacht. Die Verortung in sowohl kolonialen als auch in NS-Kontexten erfordert eine historisch bewusste und ethisch verantwortungsvolle Annäherung.

Der heute noch existierende Bildbestand der „Deutschen Kolonialgesellschaft“ (1887 - 1936) und nachfolgender Propagandaorganisationen wie des „Reichskolonialbundes“ (1933 - 1943) umfasst ca. 45.000 Bildträger. Diese wurden Ende der 1940er-Jahre an die Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt übergeben. Aus Sicht der ursprünglich sammelnden Institutionen bezogen sich viele Bildthemen auf die angeblich kulturelle und wirtschaftliche „Erschließung“ der deutschen Kolonien auf dem afrikanischen Kontinent, in Ozeanien und China. Ebenso in der Bildsammlung vertreten sind allerdings auch andere europäische und außereuropäische Gebiete.

Ende der 1990er-Jahre war dies der erste fotografische Bestand aus kolonialen Kontexten in Deutschland, der digitalisiert und online präsentiert wurde. Anfang der 2000er-Jahre wurde er durch weitere Bildbestände wie die der Sam Cohen Library in Swakopmund, Namibia erweitert. Aufgrund der unzureichenden Metadaten war der Zugang für Forschende bisher stark eingeschränkt.

Um die Zugangsmöglichkeiten grundlegend neu zu denken, wurde das Projekt „Visual Analytics für Bilder aus Kolonialen Kontexten“ (VABiKo) ins Leben gerufen. Das Projekt ist eine Kooperation der Universitätsbibliothek J. C. Senckenberg in Frankfurt am Main und der Arbeitsgruppe „Multimodale Modellierung und Maschinelles Lernen“ (Prof. Ralph Ewerth) der Philipps-Universität Marburg. Es wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) für vorläufig drei Jahre finanziert. Das Projekt zielt darauf ab, die Nutzungsmöglichkeiten durch semi-automatische Erschließung und zusätzliche Metadaten zu verbessern.

Dies umfasst sowohl erweiterte Such- als auch Präsentationsmöglichkeiten, wie beispielsweise vereinfachte Durchsuchbarkeit mithilfe von Deep-Learning gestützter Bildanalyse und interaktiven Zeit-Raum-Visualisierungen. Zudem ermöglicht die Automatisierungen es, den Bildbestand mit Illustrationen in Publikationen aus kolonialen Kontexten zu vergleichen. Ursprüngliche Verwendungszusammenhänge und Instrumentalisierungen werden somit deutlich. Durch die automatische Erkennung wiederkehrender Bildmuster mit Bezug auf Personen, Objekte und Orte sollen unter anderem die Entstehungsorte der Fotografien auf Landkarten mit einer zusätzlichen Zeitschiene angezeigt werden können. Eine allgemein verbesserte Datenhaltung wird die Nachhaltigkeit des Projekts auch für zukünftige Generationen von Nutzern sicherstellen.

Das so entstehende mehrsprachige Internetportal soll Ende 2027 öffentlich zugänglich sein und die Aufarbeitung der deutschen Kolonialgeschichte unterstützen. Der Bestand enthält Darstellungen verschiedener Formen von Gewalt innerhalb eines Machtgefälles zwischen Kolonisierenden und Kolonisierten. Darum werden ethische Fragen der Präsentation und Nutzung im Austausch mit Kolleg*innen, Forschenden und Interessenvertreter*innen aus den Herkunftsländern der Fotografien abgestimmt. Trotz der ursprünglich propagandistischen Verwendungszusammenhänge besitzen die Fotografien großes Potenzial für Neuinterpretationen durch die genannten Interessengruppen. Angestrebt wird eine Balance zwischen transparenter Erschließung und der respektvollen Annäherung an die fotografierten Personen.

https://www.ub.uni-frankfurt.de/