13. Dezember 2018
  NEWS

Nutzerinteressen stärken, Urheberrechte wahren

Deutscher Bibliotheksverband fordert mehr Freiheit für Wissenschaft und Forschung

Den Welttag des Buches und des Urheberrechts am 23. April nimmt der Deutsche Bibliotheksverband e.V. (dbv) zum Anlass, an die Politik zu appellieren, das Urheberrecht wissenschafts- und bildungsfreundlicher zu gestalten. In seiner derzeitigen Form schützt das Urheberrecht zu einseitig diejenigen, die mit dem exklusiven Zugang zum Wissen Geld verdienen wollen. Auch der Bibliotheksverband setzt sich dafür ein, dass die Schöpfer von Werken angemessen entlohnt werden. Unnötige Restriktionen beim Zugang zu Wissen behindern jedoch Bildung, Wissenschaft und Forschung und gefährden damit nicht zuletzt die Innovationsfähigkeit unseres Landes.

Insbesondere im Hinblick auf die Verwendung von digitalen Kopien von Texten in Wissenschaft und Studium sieht der Interessenverband der Bibliotheken mit ihren über 10 Millionen registrierten Nutzerinnen und Nutzern dringenden Handlungsbedarf. „Wir brauchen hier“, so die Verbandsvorsitzende Monika Ziller (Heilbronn), „an verschiedenen Stellen Rechtssicherheit.“

In einem zweiseitigen Positionspapier beschreibt der Bibliotheksverband seine wesentlichen Positionen zu aktuell strittigen Urheberrechtsfragen. Gerade vor dem Hintergrund eines aktuellen Urteils des Oberlandesgerichts Stuttgart betont der dbv, dass auch die Verwendung von digitalen Kopien in sog. elektronischen Semesterapparaten zur Unterstützung von Studium und Lehre und somit zur Veranschaulichung im Unterricht dienen. „Der Gesetzgeber“, so Ziller, „ist hier ursprünglich angetreten, um zeitgemäßen Nutzungsformen Rechnung zu tragen. Universitäts- und Hochschulbibliotheken muss es ermöglicht werden, entsprechende Angebote zu machen.“ Der dbv plädiert dafür, die Befristung von § 52a Urheberrechtsgesetz aufzuheben und für elektronische Semesterapparate, die für den Studienalltag an den meisten Hochschulen und Universitäten inzwischen unersetzlich sind, dauerhaft Rechtssicherheit zu schaffen.

Aktueller Handlungsbedarf besteht auch – nicht zuletzt im Hinblick auf das Projekt einer Deutschen Digitalen Bibliothek – bei der Digitalisierung von sogenannten verwaisten und vergriffenen Werken. Es gibt in Bibliotheken hunderttausende von Büchern, die derzeit nicht digitalisiert werden können, weil der jeweilige Rechteinhaber unbekannt ist (verwaiste Werke). Außerdem besteht für sehr viele Werke kein Verwertungsinteresse mehr (vergriffene Werke). Hier müssen pragmatische Lösungen gefunden werden, die es den Bibliotheken erlauben, auch diese „verborgenen Schätze“ in die digitale Welt zu überführen.

Zu den vergriffenen Werken hat die Deutsche Literaturkonferenz, der neben dem dbv unter anderem auch der Börsenverein des Deutschen Buchhandels sowie die Verwertungsgesellschaft Wort angehören, anlässlich der Leipziger Buchmesse einen Regelungsvorschlag unterbreitet, den der Gesetzgeber in Deutschland schnell und unkompliziert umsetzten sollte.

http://www.bibliotheksverband.de/dbv/positionen.html
http://www.literaturkonferenz.de


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