13. Dezember 2017

Forschung und Lehre in eigener Sache

Die Bibliothekwissenschaft an der Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Chur

Bild: HTW Chur
Hauptgebäude HTW Chur

Bibliotheken verstehen sich seit Jahrhunderten als Dienstleister in der Informationsversorgung für die (Allgemein-)Bildung und Forschung sowie als kulturelle Einrichtung. Lange Zeit waren sie nur langsam verändernde Horte der Tradition. Angesichts der immer rasanter werdenden Entwicklung durch die digitale Transformation verändern sich die Ansprüche an die Versorgung mit Information und die Nutzerbedürfnisse in hohem Maß. Dies betrifft in gleicher Weise Öffentliche wie Wissenschaftliche Bibliotheken. Viele haben bereits reagiert und verstehen sich nicht mehr nur als Ort des Lernens und Studierens, sondern neu auch der Unterhaltung, des Diskurses, des Experimentierens und der Weiterbildung. Dabei spielen elektronische Medien wie E-Journals, E-Books und Social Media sowie innovative Technologien eine zunehmend wichtige Rolle.

Um mit dieser rasanten technologischen und damit verbundenen gesellschaftlichen Entwicklung Schritt halten zu können, sind Bibliotheken selbst bzw. bei den eigenen Fachkräften auf eine akademische Ausbildung und Forschung angewiesen. Die Churer Informationswissenschaft berücksichtigt dabei die klassischen Bereiche genauso wie digitale Medien und neue Technologien. Die meisten Bücher sind immer noch aus Papier gemacht, deren Inhalte sind linear aufgebaut und in sich abgeschlossen.

Viele Formen von digitalen Inhalten brechen diese Form nicht nur vom Medium her auf, sondern vermitteln das Wissen in vernetzter und multimedialer Art und Weise. Kompetenzen im Bereich der Katalogisierung, Metadaten- und Bestandsmanagement sind also, nach wie vor, genauso wichtig wie die im Bereich der Lizenzierung elektronischer Ressourcen und der Entwicklung von neuen, nutzerorientierten Dienstleistungen. Es gilt aber auch Bibliotheksräume (neu) zu gestalten, moderne Konzepte wie Makerspaces zu entwickeln und diverse Veranstaltungen wie z. B. zur Leseförderung zu planen oder einen wichtigen Beitrag zur Integration von Migranten zu leisten. Damit verändert sich auch der Anspruch bzgl. der Ausbildung in den Bereichen Organisation und Management von Bibliotheken.

Bild: HTW Chur
Foyer HTW Chur

Die Bibliothekswissenschaft am Schweizerischen Institut für Informationswissenschaft an der HTW Chur hat in den letzten Jahren curricular auf die veränderten Ansprüche reagiert. Neu hinzugekommen sind Themen wie z.B. Semantische Datenverarbeitung, Bibliotheksinformatik oder Usability Engineering. Ein LibraryLab dient zum Testen neuer Technologien wie Beacons, 3D-Drucker und humanoide Roboter. Die Bibliotheksforschung ist im Schwerpunkt „Informationsorganisation“ angesiedelt. Die zugehörigen drei Forschungsgruppen Datenmanagement, Digitale Bibliothek und Digitalisierung von analogem Kulturgut & digitale Langzeitarchivierung sind interdisziplinär zusammengestellt und analysieren das Informationsverhalten verschiedener Akteure und entwickeln Vorschläge zur Angebotsoptimierung von Informationsdienstleistern.

Im Forschungsfeld Digitale Bibliothek wird bspw. untersucht, inwiefern sich Aufgaben von Wissenschaftlichen und Öffentlichen Bibliotheken sowie das Nutzerverhalten im physischen und virtuellen Raum tatsächlich verändern, welche Strategien und Methoden für die Bewältigung der Herausforderungen eingesetzt werden können und wie digitale Medien erfasst, archiviert und vermittelt werden können. Zu den konkreten Forschungsthemen gehören Bibliothek im Wandel, digitale Strategien für Bibliotheken, Metadatenmanagement und neue Standards sowie Datenmanagement und -nutzung in Bibliotheken.

Die Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Chur in der Hauptstadt des Kantons Graubünden betreibt als einzige Hochschule in der deutschsprachigen Schweiz den Studiengang „Information Science“. Das Studium kann im Vollzeit oder Teilzeit absolviert werden, die Studienorte sind Chur und Zürich. Die HTW Chur ist seit 2009 Mitglied der Initiative der Vereinten Nationen für verantwortungsvolle Ausbildung, den UN Principles for Responsible Management Education (PRME), und verpflichtet sich der Nachhaltigkeit in Bildung und Forschung.

Prof. Dr. Bernard Bekavac
Studienleiter BSc
Information Science
Hochschule für Technik und Wirtschaft
Pulvermühlestrasse 57
CH-7004 Chur
bernard.bekavac@htwchur.ch