24. November 2017

Erfolgreicher Einsatz von Open Source Software –

Teil 1: Die BibApp als mobiler Katalog für über 15 Bibliotheken

In unserer dreiteiligen Reihe über den erfolgreichen Einsatz von Open Source Software in Bibliotheken wollen wir Ihnen heute das BibApp-Projekt vorstellen. Ein Projekt, in dem eine mobile Version des OPAC als Open Source Software entwickelt wurde und um das sich mittlerweile eine aktive Community von mehr als 15 Bibliotheken gebildet hat. Aber lesen Sie selbst…

Suchergebnisliste in der BibApp auf
Android-Geräten
Einzeltrefferanzeige (oben) und Kontofunktion (unten) in der BibApp auf iOS-Geräten

Die BibApp

Die BibApp wurde konzipiert, um die Nutzung von Bibliotheks-Katalogen auf kleinen Mobilgeräten zu optimieren. Gerade die Mobilität dieser Endgeräte sollte den Zugriff auf den Bibliothekskatalog in den alltäglichen Nutzungssituationen erleichtern. Die BibApp ermöglicht deshalb den Nutzenden die schnelle inhaltliche Recherche, die Übersicht über Verfügbarkeiten sowie den direkten Zugriff auf das eigene Bibliotheks-Konto. Zusätzlich können Entleihungen und Vormerkungen direkt über die App vorgenommen werden. Die wichtigsten Bereiche der App sind:

Die Suche: Über die Suche ist eine Recherche in lokalen und überregionalen Katalogen möglich. Die Ergebnisse werden mit den wichtigsten Informationen in einer Liste angezeigt. Zusätzlich ist zu jedem Eintrag eine detaillierte Anzeige möglich. In dieser können weitere bibliographische Angaben, die Verfügbarkeit aller Exemplare und zusätzliche Informationen wie Inhaltsverzeichnisse oder Zusammenfassungen eingesehen werden.

Das Ausleihkonto: Über die Kontofunktionen sind die eigenen Entleihungen, die eigenen Vormerkungen, sowie ggf. angefallene Gebühren jederzeit einsehbar. Die Listen geben zudem darüber Auskunft, wann Exemplare zurückgegeben werden müssen und erlauben die Verlängerung von Leihfristen.

Die Merkliste: Mit der Merklisten-Funktion können die Nutzenden Suchergebnisse abspeichern und für die spätere detailliertere Recherche nutzen. Diese in der Merkliste gespeicherten Einträge können zur weiteren Verwendung in anderen Systemen per E-Mail exportiert werden.

Der Info-Bereich: Über den Info-Bereich der BibApp sind sämtliche Informationen des Standortes für die Nutzenden jederzeit zugreifbar. So können sich die Nutzenden über Öffnungszeiten, Telefonnummern und weitere Kontaktdaten, Lagepläne und Neuigkeiten der Bibliothek informieren.

Der Open Source Entwicklungsprozess

Das Konzept der BibApp wurde von den Universitätsbibliotheken aus Lüneburg und Hildesheim entwickelt und mit Fördermitteln des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur realisiert. Als technischer Berater und Umsetzer für Android und iOS ist die effective WEBWORK aus Hamburg mit am Projekt beteiligt. Durch die Mitgliedschaft beider Bibliotheken im Gemeinsamen Bibliotheksverbund (GBV) ist die BibApp zunächst entlang der verfügbaren Schnittstellen der Verbundzentrale entwickelt worden.

Der primäre Fokus der Entwicklung lag zu Beginn bei der Funktionsauswahl. Was sollen die Nutzenden von unterwegs über die App erledigen können? Welche Funktionen lassen sich mit den Daten umsetzen, die über die Schnittstellen des GBV abrufbar sind? Und wie kompakt können die abgerufenen Informationen auf der eingeschränkten Größe eines Mobilgeräts aufbereitet werden?

Dieser Prozess setze eine enge Zusammenarbeit und häufige Rückkopplungszyklen zwischen Konzept- und Entwicklungsteam voraus. Manche Ideen ließen sich durch technische Restriktionen nicht oder nur eingeschränkt, umsetzen. So ist z.B. das regelmäßige Abfragen der Kontoinformationen im Hintergrund nur mit einem großen Aufwand möglich, sodass eine automatische Erinnerungsfunktion für abgelaufene Leihfristen bislang nicht umgesetzt ist. Die Menge an Informationen der verfügbaren Schnittstellen musste inhaltlich und bei der Oberflächengestaltung der App in eine möglichst kompakte Darstellung gebracht werden. Zudem sollten sich die Nutzenden intuitiv durch die App bewegen und mit ihr arbeiten können. Die erste Version der BibApp wurde ein gutes halbes Jahr nach Beginn der Entwicklungsarbeiten veröffentlicht.

Als Open Source Software geplant, wurde zusätzlich zur Veröffentlichung der ersten beiden Instanzen für Lüneburg und Hildesheim der Quelltext der App durch die Verbundzentrale veröffentlicht und zur Verfügung gestellt. Über ein Repository ist dieser Quellcode für jeden zugreifbar und nachnutzbar.

Von vornherein wurde darauf geachtet, den Anpassungsaufwand für nachnutzende Bibliotheken so gering wie möglich zu halten. Mittlerweile nutzen viele weitere Universitätsbibliotheken die BibApp in ihren Häusern. Alle nachnutzenden Bibliotheken sind zudem als Anwendungsgruppe organisiert und können über diese Rolle Einfluss auf die weitere Entwicklung nehmen. Auch die Verbundzentrale ist in dieser Gruppe vertreten. Durch die einzelnen Mitglieder der Anwendungsgruppe wird pro Jahr ein gemeinsames Kontingent an Supportstunden finanziert, das den fortlaufenden Support und gezielte Weiterentwicklungen ermöglicht. In der Anwendungsgruppe werden jährlich auf einem zentralen Treffen Vorschläge zur Weiterentwicklung besprochen, priorisiert und in enger Rückkopplung mit den Beteiligten umgesetzt. Kleine Anpassungen und Neuigkeiten werden z.B. über Mailinglisten kommuniziert. Besonders während des bisher größten Anpassungsprojekt für die neun Standorte in Thüringen wurde die BibApp mit diesem Vorgehen einen großen Schritt weiterentwickelt und liegt mittlerweile in Version 2.x vor.

Wege zur Nachnutzung

Die Anpassung der BibApp an einen neuen Biblio-theksstandort setzt aktuell die Verfügbarkeit zentraler Schnittstellen des GBV für diesen Standort voraus – wie z.B. SRU, DAIA/PAIA und Standort API. Mit den standortspezifischen Einstellungen dieser Schnittstellen kann meist in ein bis zwei Wochen eine erste testbare Version für einen Standort angepasst werden. Später folgen weitere Einstellungen, wie die Grund-farbe der App, das verwendete Icon auf den Mobilgeräten oder die Anzeige eines RSS-Feeds innerhalb der App.

Nach gegebenenfalls notwendigen Weiterentwicklungen kann die App in den App Stores von Google und Apple veröffentlicht werden. Die Veröffentlichung wird entweder durch die Bibliothek selbst oder durch einen Entwicklungspartner wie die effective WEBWORK vorgenommen. Dabei sind sowohl die Veröffentlichung in einem bestehenden App Store der jeweiligen Bibliothek oder die Veröffentlichung gesammelt im App Store des Dienstleisters möglich. Beide Varianten werden von den bestehenden BibApps bereits genutzt.

Die bisherigen Anpassungsprojekte haben gezeigt, dass die Umsetzung mit Hilfe eines relativ kleinen Budgets von drei bis fünf Personentagen möglich ist. Dabei sind sorgfältige Tests vor Ort unerlässlich. Zwar kommuniziert die BibApp über standardisierte Schnittstellen mit dem Bibliothekssystem, doch nur mit entsprechenden Detailkenntnissen der jeweiligen Bibliothek kann man sicherstellen, dass die Daten richtig interpretiert und die Ergebnisse von Suchanfragen an den Katalog und die Verfügbarkeitsangaben von Medien in allen Fällen korrekt angezeigt werden.

Eine Anpassung der BibApp an die Schnittstellen anderer Bibliotheksverbünde ist bisher noch nicht durchgeführt. Für die Verarbeitung der Daten sind aufwendigere Anpassungen notwendig als für die einfache Konfiguration eines weiteren GBV-internen Standortes – die Basis der App sollte dafür aber in großen Teilen weiter genutzt werden können.

Möchten Sie mehr über das Projekt erfahren oder haben Sie Interesse an der Nachnutzung der App, dann wenden Sie sich einfach an:


Johannes Schultze
effective WEBWORK GmbH
schultze@effective-webwork.de
040-60940857-0