22. Juli 2018
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Bibliotheksnutzung im Kindesalter prägt

Studie zu Gründen der Nichtnutzung von Bibliotheken vorgestellt – Potenzial liegt in starken Kooperationen, erweiterten Öffnungszeiten und dem Ausbau des digitalen Angebots

Nahezu jeder Dritte ab 14 Jahren hat im vergangenen Jahr das Angebot Öffentlicher Bibliotheken genutzt. Das ergab eine repräsentative Befragung von 1.300 Personen zwischen 14 und 75 Jahren, die vom Deutschen Bibliotheksverbandes e.V. (dbv) und dem Institut für Lese- und Medienforschung der Stiftung Lesen mit Förderung vom Bundesbeauftragen der Bundesregierung für Kultur und Medien durchgeführt wurde. Erstmals wurde darin untersucht, warum viele Jugendliche und Erwachsene keine öffentliche Stadt- oder Gemeindebibliothek (mehr) nutzen und welche Möglichkeiten es gibt, sie (zurück-) zugewinnen. Die Nicht- bzw. Nicht-Mehr-Nutzer wünschen erweiterte Öffnungszeiten, ansprechendere Räumlichkeiten und ein interessanteres Veranstaltungs- und Medienangebot. Am eindrücklichsten ist jedoch, dass sich der frühe Bibliotheksbesuch auszahlt: 62 Prozent der heutigen Bibliothekskunden haben in ihrer Kindheit mit ihren Eltern eine Bibliothek besucht, bei den Nicht- oder Nicht-Mehr-Nutzern sind dies nur 42 Prozent.

Die Studie zeigt, dass sich Öffentliche Stadt- und Gemeindebibliotheken im digitalen Zeitalter behaupten: Mit 29 Prozent der über 14-Jährigen nutzen heute trotz digitalem Medienwandel ebenso viele Menschen die Angebote öffentlicher Bibliotheken wie bei der ersten bundesweiten Nutzerstudie 1996. Gleichzeitig macht die Studie deutlich, dass in den digitalen Angeboten ein großes Potenzial liegt, weitere Besucher zu gewinnen: „Gezielte Investitionen, die eine stärkere Aktualität der Medien sowie eine größere Auswahl an DVDs, CDs und digitalen Medien gestatten sowie eine höhere Anzahl an Internetarbeitsplätzen sind nur einige von vielen konkreten Maßnahmen, mit denen Bibliotheken ihre Attraktivität gerade für junge Menschen steigern können“, so die Vorsitzende des Deutschen Bibliotheksverbands Monika Ziller. Derzeit bietet lediglich jede fünfte hauptamtlich geleitete öffentliche Bibliothek eine Online-Ausleihe von E-Books, Hörbüchern und anderen digitalen Medien an.

Eine große Chance Bibliotheksbesucher (zurück-)zugewinnen liegt auch in längeren Öffnungszeiten am Abend und in der Sonntagsöffnung, was eine aktuelle Bundesratsinitiative zur bundesweiten Sonntagsöffnung von Bibliotheken unterstützt. Auch Räumlichkeiten mit mehr Licht und hellen Farben sowie ein interessanteres Veranstaltungs- und Medienangebot stehen auf der Wunschliste ganz oben.

„Die frühe Förderung von Kindern und die Gewinnung der Eltern als Bildungspartner ist prägend für spätere Lesefreude. Ohne eine lebendige Bibliothekslandschaft kann erfolgreiche Leseförderung nicht gelingen“, so Sabine Uehlein, Geschäftsführerin Programme und Projekte der Stiftung Lesen. So zeigt auch die Studie: Wer in der Kindheit eine Bibliothek besucht hat, bleibt auch in seinem späteren Leben mit höherer Wahrscheinlichkeit Bibliotheksnutzer. Kinder müssen Bibliotheken also schon früh als selbstverständlichen Erlebnisort erfahren. Der Deutsche Bibliotheksverband empfiehlt daher, verbindliche Kooperationsvereinbarungen zwischen Bibliotheken und Schulen sowie Kindergärten zügig weiter auszubauen, damit auch Kinder aus bildungsfernen Elternhäusern erreicht werden, für die ein Bibliotheksbesuch nicht zum Alltag gehört. Hier ist das Engagement der Länder und Kommunen gefordert. Auch Eltern sollen vermehrt mit niederschwelligen Angeboten sensibilisiert und aktiviert werden, die sie in die Bibliothek führen und mit den Bibliotheksangeboten in Kontakt bringen.

Alle Ergebnisse der Studie mit detaillierten Informationen zu Ursachen und Gründen der Nichtnutzung, zum Image der Bibliotheken in Deutschland sowie zum Potenzial von Maßnahmen zur Nutzer(rück)gewinnung finden Sie unter http://www.bibliotheksverband.de/dbv/projekte/nichtnutzungsstudie.html oder http://www.stiftunglesen.de/bibliothekstudie


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