21. April 2018
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Lévi-Strauss online: www.mythologica.eu freigeschaltet
Studierende nähern sich dem 2500-Seiten-Werk im Internet an

Hören, lesen, sehen – und staunen: So nähert man sich 2500 Seiten im Internet an. Studierende und Lehrende der Universität Hildesheim haben eine Internetseite zur Mythologica des französischen Ethnologen Claude Lévi-Strauss erstellt. Nach zweijähriger Arbeit ist das Portal ab sofort online.

„In den kulturwissenschaftlichen Studiengängen an der Universität Hildesheim steht das wissenschaftliche Studium in engem Kontakt mit der künstlerischen Praxis. Jene Versuche, die in Theorie oder Praxis die Grenzen zwischen Wissenschaft und Kunst unterlaufen, faszinieren uns“, sagt Prof. Dr. Michael Kauppert. Ein Vorbild ist der französische Ethnologe Claude Lévi-Strauss (1908-2009), der in den 60er Jahren die vierbändige Mythologica publiziert hat. „Die Lektüre beansprucht schon wegen ihres Umfangs von 2500 Seiten (in der deutschen Übersetzung) eine Zeit, die heute kaum jemand mehr aufzubringen bereit ist“, so der Kultursoziologe.

Mit einem Internetprojekt versuchen Philosophen, Kultur- und Sozialwissenschaftler der Universität Hildesheim, anderen vom „Glanz des Werkes von Levi-Strauss eine Ahnung zu vermitteln“. Etwa ein Dutzend Studierende haben sich seit 2011 zunächst mit der Strukturalen Anthropologie des französischen Ethnologen in Grundzügen vertraut gemacht, danach Auszüge aus seinen Mythologica gelesen und verschiedene Konzepte zu ihrer Darstellung entworfen. Die Wahl fiel schließlich auf ein Moiré, mit dem das Hin und Her zwischen Wissenschaft und Kunst in den Büchern nun auch im Internet veranschaulicht wird. Um den Nutzern einen Eindruck vom Lektüreerlebnis der Mythologica zu vermitteln, überlagern sich die Bereiche „Hören“, „Sehen“ und „Lesen“. Auf diese Weise lässt sich teilweise besser als im Original die synästhetische Komposition des Werkes nachvollziehen. So wird etwa der von Lévi-Strauss behauptete Zusammenhang von Mythos und Musik nun hörbar, die von ihm postulierte Logik sinnlicher Qualitäten wird an verschiedenen Bildern veranschaulicht, und die Überlagerung von gesammelten und übersetzten Mythentexte wird zu ihrer geographischen Herkunft in ein besser nachvollziehbares Verhältnis gesetzt, beschreibt Michael Kauppert.

Die Überlagerung und Verschiebung von beinahe identischen Strukturen erzeugt ein Schimmern: den Moiré-Effekt. „Drucktechnisch gilt dieser optische Effekt als Fehler, der auftritt, wenn mehrere Farbraster übereinander gedruckt werden und die Farbpunkte, anstatt einen Abstand einzuhalten, sich ungewollt überlagern“, erklärt Jan Schönfelder vom Institut für Bildende Kunst und Kunstwissenschaft. Man vermindert diesen Effekt, indem die Farbraster um einen bestimmten Winkel gedreht werden. Etwas Ähnliches macht in seinem Bereich der Mythenforscher. Lévi-Strauss hebt Spezialisierungen auf und arbeitet mit Überlagerungen, zum Beispiel aus der Linguistik und der musikalischen Komposition, der Mathematik und des Surrealismus.

Um die Diskussion über die Interpretation der „Mythologica“ in einen internationalen Rahmen zu stellen, ist die Übersetzung der Website ins Französische, Englische und Portugiesische geplant. Jan Schönfelder, Dr. Marcus Dick vom Institut für Philosophie und Prof. Dr. Michael Kauppert leiten das Projekt.

www.mythologica.eu
www.mythologiques.eu


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