19. Januar 2018
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Denken über Wissen und Wissenschaft – Forscher diskutieren auf dem ZPID-Symposium

Wie Menschen über das Wesen von Wissen und Wissenschaft denken, wird in der Psychologie und den Bildungswissenschaften unter der Bezeichnung „Epistemologische Überzeugungen“ untersucht. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus ganz Deutschland trafen sich am 19. Juni 2015 in Trier, um sich über ihre aktuellen Forschungsergebnisse zu diesem Themengebiet auszutauschen.

Wissenschaftliche Erkenntnis ist heute – nicht zuletzt dank des Internets – für jedermann leicht zugänglich. Sie kann genutzt werden, um sich Meinungen über alltägliche Sachverhalte zu bilden und Entscheidungen zu treffen: Muss ich mir Sorgen um den Klimawandel machen? Ist Rotwein tatsächlich gesund? Soll ich meine Kinder mehrsprachig aufwachsen lassen?

Aber kann die Wissenschaft auf derartige Fragen überhaupt eindeutige und allgemeingültige Antworten liefern? Und wem darf man glauben, wenn Befunde verschiedener Studien einander widersprechen? In der Auseinandersetzung mit wissenschaftlicher Erkenntnis gelangen Menschen zu höchst unterschiedlichen Vorstellungen über die Merkmale von Wissen und Wissenschaft. Beispielsweise mag manch einer wissenschaftliches Wissen als Ansammlung unwiderlegbarer „Fakten“ betrachten, während jemand anderes wissenschaftliche Erkenntnisse als subjektive „Meinungen“ der jeweiligen Forscher ansieht. Psychologie und Bildungswissenschaften erforschen solche Vorstellungen unter der Bezeichnung „Epistemologische Überzeugungen“.

Zu einem von Dr. Anne-Kathrin Mayer und Dipl.-Psych. Tom Rosman organisierten Symposium zu diesem Thema begrüßte das Leibniz-Zentrum für Psychologische Information und Dokumentation (ZPID) zwanzig Gäste. Unter ihnen waren auch Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler von verschiedenen Universitäten und mehreren Forschungsinstituten der Leibniz-Gemeinschaft.

Die acht Vorträge der eingeladenen Referenten spiegelten ein breites Spektrum grundlagen- und anwendungsorientierter Fragestellungen wider. So wurde aufgezeigt, dass ein „Bürger-Verständnis“ von Wissenschaft stets sowohl das Verstehen von wissenschaftlicher Erkenntnis als auch Vertrauen in deren Quellen einschließt. Je weniger Menschen ein eigenes Verständnis komplexer Erkenntnisse erreichen können, desto mehr gilt es ihre Kompetenz zu stärken, zwischen verlässlichen und weniger verlässlichen Quellen zu unterscheiden.

Entsprechend wurde in Studien beispielsweise untersucht, wie Vorstellungen von Wissen und Wissenschaft die Qualität der Suche und Bewertung von Informationen im Internet beeinflussen. Zudem wurde aufgezeigt, wie sich epistemologische Überzeugungen gezielt verändern lassen. Ein Tagungsband mit den Beiträgen der Veranstaltung wird im Herbst 2015 erscheinen.

http://www.zpid.de

 



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