24. April 2018
  NEWS

Bibliotheken wandeln sich zu Räumen der Inspiration, der Kommunikation und Erfahrung

Unter dem Titel „Bibliothek im öffentlichen Raum – real und digital“ diskutierten auf dem 6. Bibliothekskongress Leipzig heute Vertreter von zwei herausragenden Stadtbibliotheken mit der Präsidentin des Amerikanischen Bibliothekverbandes und VertreterInnenn mit langjährigen Erfahrungen in der Kommunalpolitik über die zukünftige Rolle der Bibliotheken im öffentlichen Raum.

Die Digitalisierung hat Bibliotheken in ihrer Funktion grundlegend verändert. Sie sind heute weniger Bewahrer des Wissens als vielmehr offene und innerstädtische Bildungs- und Medienzentren mit einem umfassenden Vermittlungsauftrag. Die Zusammensetzung des Medienbestandes verschiebt sich zunehmend von physischen zu digitalen Angeboten, und auch Internetsprechstunden, Programmierworkshops, Tablet-Ausleihe sowie die Nutzung von 3-D-Druckern bestimmen das Angebot.

Auch die Architektur von Bibliotheksbauten ist durch die zunehmende Digitalisierung betroffen. Sie bieten heute Räume, in denen die NutzerInnen die neuen technischen Möglichkeiten ausschöpfen können. Mit der Digitalisierung der Medien entsteht parallel eine steigende Nachfrage nach Umgebungen, in denen der Mensch gerade nicht allein ist. Bibliotheken bieten diese Umgebungen, indem den Interessen des Stadtteils, den StadtbewohnerInnen ein Raum, ein Treffpunkt, ggf. auch die erforderliche Ausstattung und natürlich die gebotene Medienunterstützung gegeben wird. Der sogenannte Makerspace ist ein gutes Beispiel für die Neuausrichtung von Bibliotheksräumen: dort geschieht etwas, eine Interessengemeinschaft macht Unternehmungen zusammen, bildet sich untereinander weiter und kann mit neuen Technologien gemeinsam zu neuen Lösungen kommen.

Öffentliche Bibliotheken haben sich darüber hinaus zu stadtplanerisch entscheidenden Institutionen entwickelt. Die neuen, häufig architektonisch außergewöhnlichen Bauten bieten leicht zugängliche Räume, in denen man sich gerne aufhält. Zusammen mit den modernen Angeboten der Bibliotheken üben sie eine hohe Anziehungskraft auf BürgerInnen aus. Stadtbibliotheken bieten unter ihren Dächern Raum für Hausaufgabenhilfe, sind Treffpunkte von Ehrenamtsinitiativen, Anlaufstellen für geflüchtete Menschen und leisten seit Jahrzehnten Integrationsarbeit mit Sprachlerangeboten, Familienprogrammen und einem mehrsprachigen Medienbestand.

In einer von Shelly Kupferberg, Deutschlandradio Kultur, moderierten Diskussion zum Thema „Bibliotheken im öffentlichen Raum – real und digital“ stellte Sari Feldmann, Präsidentin der American Library Association (ALA), heute die Initiative „Libraries Transform“ des amerikanischen Bibliotheksverbandes vor, die die Veränderung der Bibliotheken in der digitalen Welt in den Fokus rückt.

Die Direktorin der „Bibliothek des Jahres 2015“, der Stadtbibliothek Köln, Hannelore Vogt betonte: „Bibliotheken müssen sich weiterentwickeln und nutzernahe neue Dienstleistungen entwickeln. Bibliotheken sind ein offener Raum zum Lernen und Erfahren. Das Primat des Bestandes wurde schon lange abgelöst von der Zentrierung auf die Besucher.Aktuell lautet die Devise: from collection to connection. Vernetzung der Nutzerinnen und Nutzer untereinander und mit Medien und Informationsressourcen stehen im Vordergrund.“

Thorsten Hermann, Bürgermeister a.D. der Stadt Bensheim, unterstrich: „Die Bibliothek wird im 21. Jahrhundert ein vielgestaltiger, öffentlicher Raum sein, ein multimedialer Ort voller Wissen. Die Menschen müssen ihn leicht finden können, er muss über viele Wege erreichbar sein. Er wird ein Rückzugsort sein, einer mit einer leicht erkennbaren, inneren Struktur, ein Raum der Ein- und Ausblicke bietet und von natürlichem Licht erhellt wird. Die Bibliothek wird damit ein zentraler Baustein einer Stadt mit den Schwerpunkten Offenheit, Bildung und Respekt.“

 



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