17. November 2018
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Blick in die Zukunft und über den Tellerrand

Das IK-Symposium 2016 in Berlin lieferte spannende Einblicke in die Welt von Big Data

Foto: Andreas Neßlinger
IK-Symposium 2016 in Berlin, Vortrag von Dr. Volker Stümpflen
Copyright: Informations- und Kommunikationsring der Finanzdienstleister (IK) e.V.

Am Freitag, 15. April 2016, war das 21. IK-Symposium zu Gast beim Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands (VÖB) in Berlin. Zu der Veranstaltung reisten rund 70 Teilnehmer aus der Informations- und Kommunikationsbranche aus Deutschland, Österreich und der Schweiz an.

Die Symposien des Informations- und Kommunikationsrings der Finanzdienstleister (IK) e.V. sind dafür bekannt, alle zwei Jahre die wichtigsten Themen der Informationswirtschaft in den Fokus zu rücken. 2016 wurde die spannende Frage „Big Data – wirklich allwissend?“ diskutiert. Ein hochaktuelles Thema, denn Big Data ist mehr als ein Hype. Big Data ist in etlichen Branchen Realität – auch und vor allem in der Finanzwelt. Wie stark ist der Einfluss, den Big Data schon jetzt auf unseren Alltag und unsere Arbeit besitzt? Wie sieht unsere Zukunft mit Big Data aus? Wie wird die Technologie angewendet, wo liegen die Chancen, wo die Risiken? Antworten auf diese Fragen lieferten die renommierten Big Data-Experten Susanne Dehmel, Dr. Volker Stümpflen, Klaus Fabits und Prof. Dr. Klaus Mainzer.

Prof. Dr. Liane Buchholz, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands Öffentlicher Banken, eröffnete die Veranstaltung mit den Worten: „Daten sind der Produktionsfaktor des 21. Jahrhunderts“. Die Banken, die einen sinnvollen Umgang mit Daten hinbekämen, seien in Zukunft die Gewinner.

Die beiden Vorstände des IK, Monika Heim und Stefan Liboschik, zogen nach dem Symposium ein positives Resümee: „Wir freuen uns, dass es uns gelungen ist, einen Spannungsbogen von den Chancen über die Anwendungen bis zu den Risiken von Big Data zu ziehen“, sagte Stefan Liboschik. Monika Heim ergänzte: „Die Vorträge waren vielfältig und voller interessanter Aspekte. Wir konnten wieder einmal zeigen, dass das IK-Symposium das Potential besitzt, Innovationen anzustoßen – und uns Information Professionals den wichtigen Blick über den Tellerrand zu ermöglichen.“

Die Vorträge

Zum Auftakt gab Susanne Dehmel, Mitglied der Geschäftsleitung beim Digitalverband Bitkom e.V., einen Überblick über den Einsatz von Big Data. Sie stellte eine Bitkom-Studie vor, nach der für neun von zehn deutschen Unternehmen die Digitalisierung als Chance begriffen wird. Die Automobilbranche sei Vorreiter bei der Nutzung und Planung von High-End-Datenanalysen. Versicherungen lägen auf Platz zwei, die Banken im Mittelfeld des Branchenvergleichs. Dehmel zeigte, wie Big Data-Technologien die Lebenserwartung von Tumorpatienten erhöhen oder Zeitvorteile für Versicherungen herausschlagen können. Außerdem präsentierte sie von der Bitkom aufgestellte Leitlinien für den Umgang mit Big Data. „Eine Big Data-Anwendung sollte nicht nur für das Unternehmen einen Nutzen haben, sondern immer auch für Verbraucher, Kunden oder die Gesellschaft“, sagte sie.

Anschließend trat Dr. Volker Stümpflen ans Rednerpult. Der Doktor der physikalischen Chemie ist Director of Data Science bei der Sanostro AG und Gründer eines Big Data Analyse-Unternehmens. Anhand zahlreicher Beispiele aus der Finanztechnologie (FinTech) beleuchtete er, wie sich die Finanzbranche bereits verändert hat – und noch verändern wird. Kredite, die aufgrund von Facebook-Profilen vergeben oder verweigert werden? Online-Payment-Systeme, die schon heute wissen, was Sie morgen um 16 Uhr tun werden? Webshops, die zu jedem gekauften Produkt direkt die passende Versicherung anbieten? Das alles ist längst Realität, wie Stümpflen ausführte. Kunden sollten sich darüber bewusst sein: Wenn ein Dienst nichts kostet, ist der Kunde selbst (bzw. sind seine Daten) das Produkt. Geschäftsmodelle der FinTech- Unternehmen seien disruptiv – also Geschäftsmodelle, die Technologien von etablierten Marktteilnehmern (zum Beispiel Banken) vom Markt verdrängen. Von einer Zukunft, in der die Maschinen übernehmen, will Stümpflen allerdings nichts wissen: „Die Technologien ziehen nicht immer die richtigen Schlüsse.“ Deshalb dürfe sich der Mensch niemals ausschließlich auf Big Data-Analysen verlassen.

Dem Thema „Innovationsfaktor Analytics“ widmete sich Klaus Fabits, Director Center of Exellence bei SAS. Er zeigte in seinem Vortrag, wie man mit Analytics aus Big Data echtes Wissen erzeugt. So ist es mit der Technologie beispielsweise möglich, bereits vor der Markteinführung vorherzusagen, wie häufig sich ein Produkt verkaufen wird. Oder exakt zu bestimmen, wann ein Gerät ausfallen oder eine Naturkatastrophe eintreten wird.

Im letzten Vortrag des Tages warf Prof. Dr. Klaus Mainzer von der Technischen Universität München einen wissenschaftlichen Blick auf die Chancen und Risiken von Big Data. Einige Grundlagen von Big Data seien alt. Die mathematischen Modelle gäbe es schon lange. Doch Big Data-Algorithmen würden neue Möglichkeiten in Analytik, Diagnostik und Prognostik eröffnen. „Wir leben in einer Zeit der datengetriebenen Wissenschaft. Aber wenn Sie mich fragen, ob Big Data das Ende der Theorie sei, dann kann ich nur warnen“, sagte Mainzer. Falsche Datengläubigkeit führe in eine gefährliche Schieflage. „Wir müssen die Rahmenbedingungen bestimmen. Big Data muss sozial und ökologisch verträglich sein.“

Die Podiumsdiskussion

In der abschließenden Gesprächsrunde diskutierte Dr. Rafael Ball, Direktor der ETH Bibliothek Zürich und IK-Beirats-Mitglied, mit den Referenten, ob Big Data die Arbeit von Information Professionals ersetzen kann. „Sicher nicht ganz“, sagte Professor Mainzer, „aber ohne Big Data geht es in Zukunft nicht.“ Die Frage: Big Data – Fluch oder Chance?, beantworteten alle Diskussionsteilnehmer einstimmig. Die Chancen würden überwiegen, man müsse jedoch verantwortungsvoll mit der Technologie umgehen, lautet die Einschätzung der Experten.

www.ik-info.de

 



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